Angola als Beispiel der Plünderung Afrikas


Diamantenmine in Angola. Bild: gemkonnect
Die Massenmigration von Afrikanern nach Europa hat verschiedene Gründe. Einer davon ist die Ausbeutung durch die Machteliten.
Von Rui Filipe Gutschmidt
Warum kommen so viele Menschen aus Afrika nach Europa? Große Armut, Hunger und Krieg? Sicherlich. Doch auch die Gründe für diese Armut, den Hunger und die Kriege sind zu beachten. Die Ausbeutung durch afrikanische und nicht afrikanische Machteliten zwingt Millionen dazu, ihr Glück in Europa zu suchen. Dass sie meistens nur den Tod finden, merken viele von ihnen allerdings erst dann, wenn es zu spät ist. Angola könnte so reich sein, wäre da nicht die korrupte Machtelite.
Nach Angola gehen zu dürfen war für die „Auserwählten“ unter den Portugiesen wie ein Sechser im Lotto. Man bekam Land und einen günstigen Kredit um den fruchtbaren Boden zu kolonisieren. Das war im 19. Jahrhundert und seitdem haben viele Portugiesen dort ihr Glück gefunden. Doch ähnlich wie in den Kolonien anderer europäischer Mächte, kam eine Zeit des „Erwachens“ innerhalb einer kleinen Elite aus Einheimischen die eine westliche Erziehung bekamen, um dann bei der Verwaltung der riesigen Gebiete mitarbeiten zu können. Doch nach dem Ersten Weltkrieg und der Oktoberrevolution kamen Ideen von Freiheit und Selbstbestimmung der Völker und auch der Sozialismus nach Afrika (und ebenso nach Asien). Viele Völker haben auch im Krieg für ihre Kolonialherren gekämpft und ein Versprechen von mehr Selbstbestimmung oder gar Unabhängigkeit im Gegenzug erhalten. Die Araber beispielsweise halten den Briten bis heute vor, dass sie ihr Wort gebrochen haben.
Nach dem Zweiten Weltkrieg rollte dann tatsächlich eine Welle der Unabhängigkeitserklärungen über den Kontinent, die aber an den Portugiesen abprallte, wie an einem Wellenbrecher. So brach ein blutiger Krieg aus – in Angola, in Mosambik und in Guinea-Bissau. Die Kurzfassung: Portugals Nelkenrevolution schaffte am 25. April 1974 die Diktatur ab und entließ die Kolonien in die Unabhängigkeit. Von den USA und Südafrika einerseits und der UdSSR andererseits unterstützte Rebellengruppen verwickelten sich in einen langjährigen Bürgerkrieg, der Ende der 90er-Jahre beigelegt wurde. Die Kommunisten blieben an der Macht, führten ein Mehrparteiensystem ein, was aber nur eine Scheindemokratie ist.
Eben mit dieser Scheindemokratie haben unsere oberen 10.000 jede Menge krummer Geschäfte gemacht. Wirtschaftsbosse zahlten Bestechungsgelder um an lukrative Aufträge zu kommen und dabei war es ihnen egal, ob in den Diamantenminen Sklaven sich zu Tode schuften, ob Kinder auf den Plantagen arbeiten oder ob der dos Santos-Clan sich mit den Öl-Millionen überall einkauft und die Macht über Konzerne, Politiker und sogar ganze Regierungen zusichert. Isabel dos Santos hat während des Privatisierungswahns der Troika in Portugal eine große Einkaufstour gestartet. Telekommunikation, Medien und Banken waren auf ihrem Einkaufszettel.
Die „Sonangol“ ist der staatliche Ölkonzern des Landes, über den – wie bei Brasiliens Petrobras – Bestechungsgelder und allerlei unregelmäßige und illegale Transaktionen getätigt werden. Doch Portugals Staatsanwaltschaft schaut nicht länger weg und so wurde der angolanische Vizepräsident Manuel Vicente (zu der Zeit Vorsitzender der Sonangol) unter Anklage gestellt. Er soll, unter anderem, Verantwortliche in genau dieser Staatsanwaltschaft bezahlt haben, damit diese frühere Prozesse gegen das Mitglied des mächtigen dos Santos-Clans wegen Korruption unter den Tisch fallen lassen. Angolas Regierung und dessen Propagandamedien aber reagierten mit großer Aggressivität gegen Portugal.
Diesbezüglich musste der Besuch der portugiesischen Justizministerin in Angola abgesagt werden. Die PS-Politikerin angolanischer Herkunft hatte vor, den Angolanern „rechtstaatliche Prinzipien“ näherzubringen. Wie es scheint wäre dies bitter nötig, da die Angolaner scheinbar nicht ganz nachvollziehen können, was „unabhängig“ bei „unabhängige Justiz und Gewaltenteilung“ bedeutet, wollen sie doch ein Eingreifen der Regierung, um eine Anklage gegen Manuel Vicente zu unterbinden. Das dies in einem Rechtsstaat nicht möglich ist, sollten Präsident dos Santos und Töchterchen Isabel längst begriffen haben.
Doch muss man sich schon fragen, wo Europas Justiz die ganze Zeit war. Nicht nur in Angola, aber in unzähligen „Bananenrepubliken“, wo die Machthaber die Reichtümer ihrer Länder verscherbeln und wo sich die westlichen Wirtschaftsbosse wie selbstverständlich mit Bestechungsgeldern einkaufen, schauen die europäischen, amerikanischen oder australischen Justizbehörden weg und so werden die Länder geplündert und die Völker in die Armut gerissen. Wenn wir die Massenmigration stoppen wollen, dann sollten auch Deutschlands, Frankreichs und andere Justizbehörden nicht länger wegsehen und sich an Portugals Justiz ein Beispiel nehmen. Diese Plünderung nutzt nämlich nicht den Europäern an sich, sondern nur den „oberen 10.000“, die ihre Gewinne in den Steueroasen verstecken und von denen bei uns keine Schulen oder Krankenhäuser gebaut werden.