Kommt die Wehrpflicht, dann kommt auch der Krieg!


Soldaten des österreichischen Bundesheeres, beim Vorführungsschießen bei der "GGSA 2017" - Bild: Flickr / Bundesheer CC BY-SA 2.0


Vor kurzem erst abgeschafft, gelobt und als Erfolg für eine „bessere Landesverteidigung“ gefeiert, denkt man in vielen, vor allem in den konservativ regierten EU-Ländern, wieder laut über die Wiedereinführung der Wehrpflicht nach. Der Vorschlag in Portugal kommt aber aus einer unerwarteten Richtung.
Von Rui Filipe Gutschmidt
Die Wehrpflicht ist ein Unding, undemokratisch, unmoralisch und genau betrachtet steht sie im Widerspruch zu den Menschenrechten und damit zu allen Verfassungen, die auf der universellen Menschenrechtserklärung basieren. Die Geschichte der Wehrpflicht geht zurück auf die Zeit des Feudalismus. Die Adeligen hatten das Recht die Untertanen jederzeit einzuberufen, um Krieg zu führen. Dabei bevorzugten sie aus verständlichen Gründen die Zeit nach der Ernte. Der Grund für die Kriege waren – damals wie heute – Geld und Macht! 
Zur Erinnerung, an alle die vergessen haben, was der „Dienst an der Waffe“ bedeutet, hier eine kurze Beschreibung: „Wenn die Schulzeit zu Ende geht, die Hormone verrückt spielen und die Jugendlichen an ihren beruflichen und familiären Zukunftsplänen schmieden sollten, kommt der Staat und drückt uns eine Waffe in die Hand. Doch damit nicht genug. Mir schien es fast, als wäre der Militärdienst in der sogenannten Grundausbildung viel mehr eine gründliche Gehirnwäsche. Mit der Uniform kommt eine intellektuelle Zwangsjacke. Disziplin, Hörigkeit, Angst, psychologische und körperliche Gewalt, selbstauferlegte Dummheit und vor allem eine ständige Erniedrigung – das sind genau die Methoden einer durchgehenden Gehirnwäsche. Es heißt, beim Militär werden Knaben zu Männern. Aber wenn „ein Mann sein“ bedeutet, zu einer gefühllosen Maschine zu verkommen, die jeden Befehl ohne nachzudenken befolgt, wenn es bedeutet, den eigenen Willen „freiwillig“ abzutreten und wenn es bedeutet für eine Verbrecherkartell die Drecksarbeit zu machen, dann möchte ich kein „Mann“ sein.“
Nun, dass mit dem „freiwilligem“ Verzicht auf den freien Willen, ist eigentlich völlig unfreiwillig, wenn wir von der Wehrpflicht reden. Die romantisierten Erinnerungen an gute Kameradschaft sind natürlich keine Erfindung. Wer gemeinsam durch die Hölle geht – das gilt nicht nur, aber vor allem für die, die in einem tatsächlichem Krieg waren – der entwickelt ein „Wir-Gefühl“, dass weit über normale Freundschaft hinaus geht. Also hat der Wehrdienst auch positive Seiten? Eine Berufsarmee, bei der die Ausbilder das Individuum respektieren vielleicht, doch findet man so etwas nur bei einigen wenigen „Rebellen“.
Ob das Modell der Schweiz in allen Länder umsetzbar ist und welche Form der Landesverteidigung für welches Land geeignet sein könnte, sollte Teil einer demokratischen Debatte sein. Da dies in unserer „Freien Welt“ aber nicht denkbar scheint, werden wohl  bald wieder die Interessen der Rüstungsindustrie, Rohstofflobby, der Finanzmafia und ihrer Helfershelfer dazu führen, dass unsere Jugend demnächst wieder zum Militär- oder Zivildienst gerufen werden.
Im links regierten Portugal kam der Ruf nach Wiedereinführung der Wehrpflicht aber aus einer ganz unerwarteten Richtung. Nicht nur weil die JCP als Jugendorganisation damit gerade den Jugendlichen ihre „besten Jahre“ opfern will, sondern vor allem weil die Jungkommunisten ausgerechnet der verhassten NATO damit Kanonenfutter liefern würden. Sicher denken diese Leute, dass Portugal zuvor aus der NATO austreten sollte, doch im Moment deutet leider wenig darauf hin. Ob sich die Anführer der JCP inzwischen auf die Zunge beißen, dass wissen nur sie selbst. Fakt ist, dass die konservativen von Ex-Premierminister Passos Coelho und auch ein paar Abgeordnete der regierenden PS das Thema jetzt ins Parlament bringen wollen. Doch die Büchse der Pandora ist geöffnet und es waren nicht die Portugiesen, die noch nicht über das Trauma ihres Kolonialkrieges hinwegkommen konnten.
In Deutschland hat das Bundeskabinett vor kurzem erst seine neue „Zivilschutzstrategie für den Krisenfall“ beschlossen. So schrieb die „Zeit“ zu dem Thema: "Das Bundeskabinett hatte die neu beschlossene Zivilschutzstrategie für einen Krisenfall vorgestellt. An einigen Stellen wird darin die Möglichkeit der Wiedereinführung der Wehrpflicht angedeutet. Rechtlich ist es so, dass die Wehrpflicht in Deutschland seit dem 1. Juli 2011 ausgesetzt ist, da sie aus Sicht der Bundesregierung ihre sicherheitspolitische und militärische Bedeutung verloren hatte. Der Pflichtdienst ist aber weiterhin im Grundgesetz verankert und könnte mit einem einfachen Gesetz wieder eingeführt werden." 
In der Union waren Gedankenspiele für ein Wiederaufleben der Wehrpflicht laut geworden. So plädierte etwa der frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht. "Ich finde es sinnvoll, die Bundeswehr in der Bevölkerung verankert und eingebunden zu haben. Das hat die Wehrpflicht garantiert", hatte Jung dem Badischen Tagblatt gesagt. "Ich habe sie als Verteidigungsminister nicht abgeschafft und stehe dazu."
Aber auch in Ländern wie Schweden, dass eigentlich für eine eher pazifistische Mentalität bekannt ist, werden solche Gedanken neuerdings laut ausgesprochen. Wer jetzt aber meint, dass die „islamistische Bedrohung“ dabei eine Rolle spielt, der sollte nochmal überlegen. Es ist der „neue“ Kalte Krieg, mit dem „alten“ Feind Russland, der die gierigen Wirtschaftsbosse des Westens auf die Wirtschaftszone des Ostens schielen lässt. „Soldaten braucht das Land“, so scheint das Motto der herrschenden Machtelite zu sein. Das unsere Kinder in einen Krieg geschickt werden, um die Reichen noch reicher zu machen, erfüllt mich jedenfalls mit fatalistischen Gedanken. Krieg, hier in unserem „friedlichem“ Europa, ist mir ein Graus. Die Wehrpflicht wiedereinzuführen würde uns dem Schreckensszenario eines großen Krieges einen Schritt näher bringen.