Portugal: Müll aus Italien wird abgelehnt, Müllmafia und Korruption aufgeflogen



Portugal importiert einen Teil des Müllbergs aus der Region Neapel, um diesen fachgerecht und den EU-Normen entsprechend zu entsorgen. Doch Neapels Müllmafia – genauer gesagt die Camorra – versucht anscheinend ihren Giftmüll als „normalen Hausmüll“ zu deklarieren und diesen so billig wie möglich „untern Teppich zu kehren“. Es geht um viel Geld und da ist die kriminelle Energie immer zur Stelle. Zu dumm nur, dass sie in Portugal aufgeflogen sind.
Von Rui Filipe Gutschmidt
Die APA (Portugiesische Umweltagentur) hat den Müllimport aus Italien genehmigt, doch eine Inspektion ließ Zweifel aufkommen. Als die in Frage kommenden 3.000 Tonnen Müll in Italien analysiert wurden, haben die Resultate „keinerlei Hinweise auf Umweltgifte“ erkennen lassen. Das portugiesische Unternehmen CITRI aus Setúbal wollte diese Abfälle demnach auf einer Deponie „entsorgen“. Wenn Länder, die in Not geraten sind, den Müll anderer EU-Mitglieder „recyceln“ oder in modernen, mit guten Filtern versehenen Hochöfen einäschern, weil sie Kapazitäten dafür haben, dann kann man das sogar noch akzeptieren. Aber den Müll anderer Länder auf eine Deponie zu kippen? Das macht keinen Sinn. Deponien sind sowieso obsolet und gehören ein für alle mal … auf den Müll!
Doch leider ist es noch völlig legal und wird noch immer als normal gesehen, wenn Müll einfach so aufgetürmt oder verbuddelt wird. Was aber, Mutter Natur sei es gedankt, nicht erlaubt ist, ist Müll auf eine Deponie zu kippen, der das Grundwasser verseucht und der Umwelt auf kurz oder lang schadet. So ist es denn auch gar nicht akzeptabel, wenn der Müll falsch deklariert wird und die Camorra ihren Giftmüll hier untermischt, mit dem sie Millionen Euro scheffeln konnten und wo sich der neapolitanischen Müllmafia erneut eine Möglichkeit zu bieten scheint, gutes Geld damit zu verdienen. Es scheint so, als hätte man die 3000 Tonnen absichtlich falsch als „normalen Hausmüll“ deklariert, um so die Umweltauflagen und teurere Entsorgungsmethoden zu umgehen. Doch bislang ist das noch nicht bewiesen.
Portugals Behörde, die für die Einhaltung von Normen und gesetzlichen Regelungen in Umwelt, Landwirtschaft, dem Meer und bei der Organisation des Territoriums (IGAMAOT) zuständig ist, unternahm eine Stichprobe und fand dabei erhöhte Werte von aufgelösten organischen Kohlenstoffverbindungen (COD), welche das Grundwasser kontaminieren können. Daher darf dieser Dreck nicht dort auf diese Deponie. Wortspiele mal außen vor, ist es anzunehmen, dass sich die Müllmafia einen eher geringen Widerstand vorgestellt hatte. Doch Eigentümer, Exekutivmanager  und Ex-Staatssekretär, von der konservativ-bürgerlichen PSD/CDS „Troikaregierung“ 2011-2015, Pedro Afonso Paulo, hat in der jetzigen Regierung keine Freunde, die wegschauen, wenn er lukrative Nebeneinnahmen auf Kosten der Umwelt tätigen möchte. Ganz im Gegenteil, scheint es fast so, als würden die jetzigen Machthaber ganz genau hinschauen und auch Portugals Medien stochern im Sumpf der Korruption und Vetternwirtschaft. Das ist auch gut so und jetzt fehlt nur noch eine Justiz, mit den nötigen Mitteln, um gegen die „Diebe der Zukunft“ vorzugehen.
Es geht hier um ein 9 Millionen Euro Geschäft mit 20.000 Tonnen Müll, welches jetzt aber auf Eis gelegt wurde. Die riesige Open-Air Müllkippe aus der Region Neapel war vor einigen Jahren in den Schlagzeilen der Medien in aller Welt. Damals versank die Millionenstadt am Fuße des Vesuv in stinkendem Müll, da sich die Stadtväter und die Bevölkerung nicht länger von der Camorra erpressen lassen wollten. Die EU griff, auf Bitte von mutigen Bürgerinitiativen, nach einer Weile ebenfalls ein, da die Müllberge schließlich unbehandelt auf die erwähnte Deponie gekippt wurden und danach nichts weiter geschah. Der Gestank blieb den Bewohnern von Neapel und vor allem denen aus der Gegend von Lo Spesso erhalten. In dem kleinem Ort, 20 KM vor Neapel, lagern 2 von 5 Millionen Tonnen Müll, die Italien dringend entsorgen muss.
Der Europäische Gerichtshof hat Italien eine Strafe von 120.000 Euro für jeden Tag an dem das Problem nicht behoben ist, verurteilt. Der Export eines großen Teils des Mülls ist demnach die gefundende Lösung, um möglichst schnell und günstig mit dem Problem fertig zu werden. Neben Portugal wird der Müll auch nach Spanien, Bulgarien und Rumänien verschifft und natürlich ist die italienische Mafia auch wieder mit von der Partie. Italiens Justiz mag ja teilweise mit den Verantwortlichen aufgeräumt haben, aber die Camorra ist wie ein neunköpfiger Drache – schlägt man einen Kopf ab, wächst sofort ein neuer nach! Aber in diesem Fall hat es den „Camorranese“ nichts genutzt, die Beamten beim Einschiffen zu schmieren. Diesmal wollte es in Portugal jemand genau wissen und kontrollierte den Müll noch einmal.
Nachdem die überhöhten Werte von aufgelösten organischen Kohlenstoffverbindungen (COD) entdeckt wurden und eine Reportage des portugiesischen Staatsfernsehens RTP die Story veröffentlichte, ist erst mal Schluss mit dem lukrativen Geschäft für den Ex-Staatssekretär Pedro Afonso Paulo und seine Parteifreunde. Der jetzt importierte Müll ist zunächst auf dem Gelände der CITRI „unter Quarantäne“ gestellt. Doch die TV-Bilder zeigen in Plastikfolie verschweißten Pakete, die voller Risse sind. So schützt man das Grundwasser wohl eher nicht! Man kann nur hoffen, dass die Medien – und Portugals Medien sind gut darin – weiter am Ball bleiben.
Unser Planet erträgt die Menschheit sonst nicht mehr lange. Wenn wir für unsere Kinder und Enkel also noch einen bewohnbaren Planeten haben wollen, müssen wir diesen und all den anderen Mafiosi das Handwerk legen.