Türkei, ein Jahr danach. Wem nutzte der „Putschversuch“?

Recep Tayyip Erdogan - Flickr.com CC 0 
Der sogenannte „Putschversuch“, der vor einem Jahr gegen den türkischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdogan und dessen allmächtige Partei AKP stattfand, diente dem „Sultan vom Bosporus“ dazu, seine Gegenspieler zu beseitigen. Jetzt will er – wie vorhergegangene Sultane - „...diesen Verrätern die Köpfe abreißen!“

Rui Filipe Gutschmidt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hielt eine Ansprache vor Tausenden von Anhängern. Dabei zeigte er der Welt mal wieder, warum so viele hofften, dass der Putsch erfolgreich sei. Doch die, die dachten, sie könnten die Türkei von der drohenden Islamisierung und von der immer stärker werdenden Diktatur befreien, hatten nie eine Chance. Sie halfen dem Sultan sogar noch, seine Position zu festigen. Seither räumt Erdogan alle aus dem Weg die nicht für ihn sind.

Allen voran aber ist es Fetullah Gulen, ein Religionsführer, der einst Erdogans Weggefährte war und seit gewisser „Meinungsverschiedenheiten“ im US-Amerikanischem Exil lebt. Erdogahn aber hat seinen einstigen Mitstreiter zu seinem Nemesis erklärt und das schon vor langer langer Zeit. Noch am Abend des – stark nach Farce riechenden - „Putsches“, machte Erdogan die Anhänger seines Erzfeinds verantwortlich. Erdogan sah eine Möglichkeit jegliche Opposition auszuradieren und er dachte, dass die USA Fetullah Gulen ausliefern würde, wenn er ihn für 250 Toten und über 2.000 Verwundeten des Aufstands verantwortlich machen würde, das vor einem Jahr stattfand.

Man darf nicht vergessen, dass in jener Nacht auch 35 Aufständische starben. Aber es schwer zu sagen, wie viele in dem Jahr getötet wurden, in der großen „Säuberungsaktion“, die der „Sultan vom Bosporus“ seither durchführen ließ. Sicher, wurden viele einfach nur ihrer Ämter enthoben, aus dem Staatsdienst entlassen (so kann man auch Pensionen sparen), einige flohen ins Ausland und andere wiederum verbüßen Haftstrafen in den gemütlichen Gefängnissen des türkischen Justizsystems.

Bei der großen Kundgebung, die vorgestern auf der „Brücke der Märtyrer“ in Istanbul, vor Zehntausenden jubelnder Anhängern der AKP stattfand, sagte er: „Vor allem anderem müssen wir diesen Verrätern die Köpfe abreißen!“ Dabei wiederholte er seine Bereitschaft, ja seinen Wunsch, ein Parlamentsdekret zur Wiedereinführung der Todesstrafe unterzeichnen. Für Erdogan, sind Gulens Anhänger genauso Terroristen, wie der PKK oder der Daesh. Erdogan, wegen seines an Größenwahn grenzenden Machthungers auch Erdowahn genannt, schlug auch vor, dass die wegen Terrorismus Inhaftierten und die Verschwörer des 15. Juli 2016 im Guantanamo-Stil orangefarbene Gefängniskleidung tragen.


Der türkische Präsident vergrößert seine Macht intern und extern seit seinem Amtsantritt und hat die Beinahmen „Sultan vom Bosporus“ und „Erdowahn“ sicherlich nicht umsonst. Die Türkei ist eine Diktatur mit islamistischem Beigeschmack und trotz einiger Kritik aus Ost und West, lassen sie es alle zu.

Lesen sie auch über die Geschehnisse von 2016: 

http://www.info-welt.eu/2017/07/der-doppelte-putsch-oder-wie-erdogan.html