Madeira: Baum stürzt auf Prozession - 12 Tote und 52 Verletzte

Rettungskräfte sahen Bilder des Grauens - Screenshot Youtube


Mindestens 12 Menschen starben und 52 wurden teils schwer verletzt, als ein Baum plötzlich umstürzte. Die Prozession im Stadtteil Monte der Inselhauptstadt Funchal wurde von der Schnelligkeit des Geschehens überrascht und unter dem großen Baum begraben, ohne auch nur die geringste Chance zu haben. Doch die Behörden wussten von der Gefahr und taten nichts...

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die Wut auf die Behörden ist riesig! Die vielen Menschen, die sich auf dem Kirchplatz versammelt hatten, wollten Maria Himmelfahrt mit einer Prozession begehen und freuten sich auf das dazugehörige Volksfest. Kaum jemand war sich der Gefahr bewusst, die von den alten Eichen ausging, die um den Kirchplatz Schatten spenden. Kaum jemand... aber es gab Menschen, die ganz genau wussten, dass dieser Baum jederzeit umkippen konnte.

Genau gesagt, hatten die Behörden seit langem Hinweise auf die Gefahren die von diesem und anderen Bäumen ausgeht. Erst im März war ein Baum an gleicher Stelle umgekippt und der Baum, der jetzt für diese Tragödie im besonderen verantwortlich war, hatte schon ein Drahtseil, dass ihn mit einer anderen Eiche verband. Zwei modrige alte Eichen, die sich gegenseitig stützen sollten...

Warnungen wurden also ignoriert und Zivilschutz, die Stadt Funchal, die Regionalregierung, haben alle von dem Problem gewusst und schoben sich diese Aufgabe gegenseitig zu. Jetzt werden sie sich die Verantwortung gegenseitig zuschieben. Doch die Menschen, die Angehörige und Freunde unter dem Geäst der Eiche sahen, werden nicht ruhen, bevor die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen wurden.

Hierfür gibt es keine Entschuldigung. Keine leeren Kassen, keine Unwetter, kein zufällig aufgetretener Schicksalsschlag trägt die Schuld an dieser Tragödie, sondern pures Desinteresse der Politik für die Probleme der Bürger. Keine TV-Sender und Medienvertreter interessieren sich für das Fällen von 200 Jahre alten Eichen, es sei denn um dagegen zu protestieren. Man geht lieber zur Einweihung einer neuen Schule oder Straße, denn es ist Wahlkampf. Im Herbst werden Städte und Gemeinde ihre Repräsentanten wählen und man wollte sich mit solchem Kleinkram wie modernden Bäumen nicht befassen. Jetzt geht der Schuss nach hinten los und die Bürger werden hoffentlich ihre Konsequenzen ziehen.


Aber warum müssen immer erst Menschen zu Schaden kommen? Auf diese Frage gibt es wohl keine einfache Antwort.