Terror in Barcelona – Mindestens 14 Tote und 100 Verletzte. Welche Antwort ist die Richtige?

Mathieu Marquer La Rambla - Barcelona CC BY-SA 2.0

Die Katalanische Hauptstadt wurde von einem Terroranschlag erschüttert. Wieder wurde eine Menschenmenge in einer vielbesuchten Einkaufsstraße anvisiert, indem ein Kleinbus in sie hineinraste und eine Spur des Grauens hinterließ. Weitere Attacken folgten. Lange herrschte das Chaos und die Informationen waren widersprüchlich. Inzwischen wird aber das ganze Ausmaß des Terrors sichtbar. Die Terrororganisation Daesh übernahm die Verantwortung. Jetzt stellt sich wieder die Frage, wie darauf zu reagieren ist...

Rui Filipe Gutschmidt

Die Straße ist voller Blut, Verpackungen von Verbandszeug, Schuhe und andere Überbleibsel der Opfer liegen herum und es riecht – nein es stinkt, nach Tot! Eben noch flanierten Touristen auf der „La Rambla“, und jetzt scheint nur noch ein stiller Schrei durch die Straßen zu hallen. Ein Schrei nach Gerechtigkeit, nach Rache, ein „Warum“ und ein „wie können wir diesen Wahnsinn beenden“, steht im Raum. Nicht nur in Barcelona und dem Badeort, in Katalonien oder Spanien fragt man sich, wie man mit dem Problem umgehen soll, sondern in aller Welt zerbricht man sich den Kopf darüber, wie man mit dem islamistischen Terrorismus umgehen soll. 

Terroranschläge sind nicht neu und erst in den letzten Jahren denken wir automatisch an Islamisten. Doch es gibt auch noch andere Formen des Terrorismus, beziehungsweise andere Gründe, um Menschen wahllos zu ermorden und dadurch ganze Städte, Länder, Kontinente, in Angst und Schrecken zu versetzen. Als Antwort auf den islamistischen Terror, hat es in letzter Zeit ein paar rechtsextreme Anschläge auf Moscheen und auf Geschäfte muslimischer Bürger in Europa und den USA gegeben. Diese Angriffe heizen die Stimmung natürlich noch weiter an und sind wohl eher kontraproduktiv. 

So gab es am Tag nach dem Anschlägen eine Demonstration von Rechtsextremen Gruppen, die sich die Gunst der Stunde zu Nutze machten, um die Wut der Menschen für ihre Zwecke zu kanalisieren. Was „ihre Zwecke“ sind? Sie wollen die Macht in Europa und sehnen sich zurück in die Kolonialzeit, als Europas Nationen die Welt beherrschten und plünderten. Auch wenn das Plündern durch internationale Konzerne fast so gut weiter geht wie zuvor, so doch der Status des Europäers für ihren Geschmack zu sehr gesunken. 

Auf der anderen Seite haben wir Muslime, deren Stolz ebenfalls verletzt wurde und deren Bevölkerung sich immer mehr durch westliche Arroganz gedemütigt fühlt. Wäre da nicht die extreme Armut und fehlende Bildung, dann wäre es schwerer für die Hassprediger, eine solch bedingungslose Hingabe von ihren Gefolgsleuten zu bekommen. Doch auch gebildete und wohlhabende Muslime gehen den Pfad des Dschihad. Sie berufen sich auf die Ungerechtigkeit gegenüber ihrer Religion und beschweren sich über die angebliche Zerstörung ihrer Kultur durch die Ungläubigen.

Darin stimmen sie mit den Identitären und anderen rasistisch-nationalegoistischen Bewegungen Europas, der USA, Russlands und anderer Staaten überein. Der Hass, der mit jedem Terroranschlag, Bombenangriff, Siedlungsbau im Westjordanland oder gewissen Tweets gewisser Präsidenten weiter angefacht wird, ist wie eine Windböe bei einem Waldbrand. Es wird noch mehr Hass erzeugt. Das zu verhindern ist nicht leicht, da dieser Hass gewisse Leute füttert, die so ihre Macht über immer größer werdende Gruppen erhalten. Also ist die Gegengewalt genau die falsche Reaktion, da man ihnen dadurch nur gibt, was sie wollen.

Statt also die Länder des Nahen Ostens mit Krieg zu überziehen und Kollateralschäden als „unausweichlich“ zu präsentieren, sollten wir lieber an Strategien arbeiten, um die extreme Armut zu beseitigen. Es ist das Gefühl der Ohnmacht und der ungerechten Verteilung der Ressourcen der Welt, die den Hass zwischen verschiedenen Kulturen erst möglich macht. Neben diesem Faktor ist auch eine bessere Bildung und ein Schutz der Umwelt unabdinglich um Frieden zu schaffen. Das alles braucht aber Zeit, um das nötige Vertrauen zu schaffen. In der Zwischenzeit kann man nur der Polizei und den Geheimdiensten die Ressourcen zur Verfügung stellen, die diese brauchen um  weitere Anschläge zu verhindern und die Terroristen – jeglicher Gesinnung – nach rechtsstaatlichen Methoden zu fassen.

Mag sein, dass Blumen keine Terroristen stoppen. Rache aber führt nur zu mehr Leid, Blut und Tränen und hat mit Gerechtigkeit nichts zu tun.