„Autoeuropa“ im Streik – Hat VW Portugals Arbeiter zu weit getrieben?

VW - Flickr.com CC BY-ND 2.0


Es war der erste Streik in dem Vorzeigewerk in fast drei Jahrzehnten. Jetzt ist es Zeit zum verhandeln und zwischen Gewerkschaften einerseits und Vorstand andererseits bietet sich die Regierung als Vermittler an. Aber letztlich sollte sich die Führungsspitze des VW-Konzerns auf seine Ursprünge besinnen, die ein Teil des Wirtschaftswunders waren.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Portugals Wirtschaftsminister, Manuel Caldeira Cabral, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur LUSA, dass er mit beiden Seiten in Kontakt ist und an der Überwindung der Probleme arbeitet. Dabei hätte sich Cabral auch mit dem CEO des VW-Konzerns getroffen. Vorwürfe, dass sich die Regierung aus strategischen Gründen nicht einmischen würde, wies der Minister somit entschieden zurück.

Die Regierung ist aufmerksam und in Kontakt mit beiden Seiten. Ich traf mich mit dem CEO von VW in Mailand, um ihm zu übermitteln, dass es sich um eine wichtige Investition handelt und, dass sich das Land engagiert“, sagte der Minister am Rande des Red Bull Air-race in Porto.

In diesem Szenario verteidigte Manuel Caldeira Cabral, dass man versuchen sollte, „einen gemeinsamen Standpunkt zwischen dem Management des Unternehmens und den Interessen der Verwaltung und den natürlichen Forderungen der Arbeiter zu finden“.

Ich denke, es ist in diesem Sinne, dass die Verwaltung arbeitet, mit einem Verantwortungsbewusstsein, dasselbe, mit dem die Arbeiter versuchen, eine Plattform für das Verständnis zu finden, damit es sozialen Frieden gibt“, fügte er hinzu.

Es ist dieser soziale Frieden, der bislang das Verhältnis zwischen Vorstand und Belegschaft des VW-Werks im portugiesischem Palmela, in der Nähe von Lissabon ausmachte. Die „Autoeuropa“ galt bislang als Vorbild für einen „fruchtbaren Dialog“ zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, bei der selbst in Zeiten des neoliberalen „Gewinne um jeden Preis“ und in den Jahren der gnadenlosen Kürzung der Arbeitnehmerrechte unter der Troika-Regierung PSD/CDS 2011-2015, ein Bruch zwischen Arbeitern und Management verhindert werden konnte.

Man muss sich schon fragen, was VW jetzt dazu bewegt hat, die Samstagarbeit ab November zur Pflicht machen zu wollen. Damit hat VW den Bogen klar überspannt, denn sie boten keine angemessene Gegenleistung an, wie es bisher üblich war. Zumindest nicht im Verständnis der Arbeiterschaft, die daraufhin den ersten Streik in den über 25 Jahren des Unternehmens ausrief. Heute vor einer Woche stand der Betrieb für 24 Stunden still und seit dem wird wieder verhandelt.

VW steht unter Druck. Sie haben, wie die meisten Autobauer, die Entwicklung zu sauberen Antriebsformen verpennt, sie haben mit ihren Dieselmotoren, ihren Abgasmessungen und ihrer „Sparsamkeit“ getrickst und jetzt haben sie Klagen am Hals, die sie in die Tiefe ziehen. Doch ihr wahres Kapital, auf das sie aufbauen können, sind die gut ausgebildeten Arbeiter in Werken, wie Autoeuropa. Eine Rückbesinnung auf die Produktion von „Volkswagen“, also Autos, die sich der Arbeiter leisten kann, was bedeutet, dass der Arbeiter entsprechend bezahlt wird und... dass er am Samstag mit seiner Familie einen Ausflug machen kann.

Lieber Volkswagen-Vorstand: „Die Wirtschaft ist für die Menschen da – nicht der Mensch für die Wirtschaft!“