Italiens Norden will nicht teilen – Lombardei und Venetien stimmen für mehr Autonomie

Referendum - Pixabay.com CC 0

Die reichen Provinzen Lombardei und Venetien haben in Referenden über mehr Autonomie abgestimmt. In der Lombardei stimmten 95,3 Prozent mit „Ja“, während in der Nachbarregion Venetien sogar 98,1 Prozent für mehr Autonomie sind. Die Wahlbeteiligung von etwa 39 Prozent blieb in der Lombardei aber weit hinter den Erwartungen der Veranstalter zurück. Venetien, im Gegensatz dazu, bekam mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten an die Urnen.
Viele Norditaliener empfanden das Referendum für eine Verschwendung von Zeit und Geld.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Die norditalienischen Regionen Venetien und Lombardei haben in einem Referendum am Sonntag mehrheitlich für mehr Autonomie gestimmt. Doch in der Lombardei gingen nur knapp 40 Prozent der Wahlberechtigten an die Urnen während in Venetien über 50 Prozent abstimmten. Doch wer hat das Referendum organisiert und was genau wollen sie damit erreichen?

Die Regierungen beider Regionalparlamente wollen eine größere Kontrolle über die Steuergelder, die aus Norditalien nach Rom fließen. Die beiden Regierunschefs, die der rechtspopulistischen Lega Nord angehören jubilierten: „Das Ziel wurde erreicht. Für unser Venetien beginnt eine neue Geschichte", so Venetiens Regionalpräsident Luca Zaia. Dessen Amtskollege in der Lombardei, Roberto Maroni sagte, dass es ein „wichtiger Auftrag“ sei, „dieses historische Mandat umzusetzen“. Beide wollen sofort in Verhandlungen mit Italiens Premierminister Paolo Gentiloni treten.

Eine tatsächliche vollständige Unabhängigkeit von der Zentralregierung in Rom streben die Regionen in Moment noch nicht an, doch die Lega Nord wurde 1991 von Umberto Bossi mit dem Ziel gegründet, die einst so mächtigen Stadtstaaten Norditaliens zu alter Größe zu führen und sich von Rom zu trennen, wo man „ihr sauer verdientes Geld verprasst“... Und genau darum geht es ganz konkret in dieser Frage. Der Norden will nicht länger „la dolce vita“ des Südens finanzieren. Es ist immer ein beliebtes Argument von Separatisten und als Gegenargument haben wir die Solidarität.

So wird von den Machthungrigen Lega Nord Politikern der Neid in den Menschen geweckt und es ist eine Form des Nationalegoismus, die hier die Leute für „mehr Autonomie“ stimmen lies. Wenn Rom den Forderungen nicht statt gibt – in der sowieso angespannten finanziellen Situation kann sich Italien das kaum leisten – dann könnten die Norditaliener es den Katalanen nachmachen und die Unabhängigkeit fordern. 

Allerdings hat Katalonien eine eigene Sprache und Kultur und man kann die Situationen nicht miteinander vergleichen. Für Katalonien wiederum kommt der Egotrip der Lega Nord äußerst ungelegen, da er die Argumente der „Nachahmer und Spaltung Europas“ untermauert. Die EU muss die Menschen aber mit Argumenten wie Demokratie, Schutz ohne Beschneidung der Freiheit und Soziale Gerechtigkeit im Wohlstand für alle, überzeugen. Mit Gewalt werden Zentralregierungen und ein zentralistisches Europa nur den eigenen Untergang herbeiführen.