4 Jahre als Autor voller spannender Stories - Portugals Tierschutz machte den Anfang

Hund im Tierheim - Artikelbild www.cm-feira.pt

Mit Portugals Tierheime, die - wie in vielen Ländern - die Tiere zu Tausenden einschläferten, begann ich vor vier Jahren zu schreiben. Seither ließ es mich nicht mehr los und trotz vieler Rückschläge mache ich weiter, da dort draußen – im unendlichem Cyberspace - viele Menschen sind, die gerne lesen was ich schreibe. Dabei geht es mir darum, dass sich die Menschen mehr für die Welt einsetzen. Eine Welt voller Ungerechtigkeit, Egoismus, Gier... aber auch mit Menschen die sich einsetzen, sich kümmern, handeln. Wer möchte, der kann ebenfalls auf Info-Welt.eu schreiben... Bewirbt euch einfach.


Von Rui Filipe Gutschmidt

Portugal: Tierschutz unter der Herrschaft der Troika

(10.11.2013) In Zeiten knapper Kassen, Wirtschaftskrisen und sonstiger Gründe den Gürtel enger zu schnallen und einen Sparhaushalt zu verabschieden, können wir uns einer Sache sicher sein: Die Einsparungen werden dort angesetzt, wo der geringste Widerstand zu erwarten ist. Da Tiere sich nicht selbst politisch verteidigen können und sich die Tierschutzlobby erst langsam organisiert, sind Portugals Tiere unter den ersten opfern der Krise.


Die PAN (Partido pelos Animais e pela Natureza) - ist eine Partei, die sich den Tier- und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben hat. Als außerparlamentarische Opposition bleibt der Partei nur das Sammeln von Unterschriften und der Weg über Online-Petitionen, um Gesetzesentwürfe einzubringen und zu hoffen, dass die Vorschläge bei den anderen Parlamentariern Anklang finden.
Ein Beispiel für ein Gesetz das im Parlament zur Abstimmung gebracht wurde, sieht die Umwandlung der städtischen "Tierheime" in staatliche "Wohlfühlzentren für Tiere" vor. Der interessierte Leser fragt sich: "Wo ist der Unterschied? Und was hat das mit den Sparzwängen der Troika zu tun?"
Im Grunde ist ein "Canil Municipal" nicht das, was wir in Deutschland, Österreich oder der Schweiz als städtisches Tierheim bezeichnen würden. Es ist eher ein mit öffentlichen Geldern betriebenes Vernichtungslager. Ohne den Opfern der NS-Politik gegenüber respektlos erscheinen zu wollen, aber es fällt mir kein besserer Vergleich ein:
Es ist ein KZ für Hunde!
Die PAN schätzt, dass jährlich um die 100.000 Hunde eingeschläfert werden. Tendenz steigend, da viele Hundebesitzer ihre Vierbeiner im Zuge der Krise, einfach aussetzen! Wäre es nicht in den meisten Fällen ihr Todesurteil, so könnte es für viele Tiere sogar ein Glücksfall sein...
... vor allem wenn das Parlament das Gesetz der PAN befürwortet hätte. In dem Fall würden die Tierheime eine Transformation durchmachen, vom "KZ" zum Weisenhaus! Der Entwurf der PAN, dem die gesamte Opposition zugestimmt hat und der nur an der unflexiblen Haltung der aktuellen Regierungsparteien gescheitert ist, sah unter anderem vor, die Tiere zu kastrieren und zu impfen, um sie dann zur Adoption freizugeben. Die PAN ist davon überzeugt, das sich diese Vorgehensweise sogar positiv auf die öffentlichen Kassen auswirken würde. Mir scheint aber, das es sich negativ auf bestehende Interessen auswirkt, was oftmals ein Hindernis ist wenn man etwas reformieren möchte, mit dem man ohne viel Aufwand,gutes Geld machen kann.
Wenn auch die meisten Gesetze für die eine oder andere Lobby gemacht werden, so stellt mich die Agrarministerin Assunção Cristas vor ein Rätsel. Wem nützt ein Gesetz, das die Anzahl der Hunde die man in einer Wohnung halten darf auf 2, und die der Katzen auf 4 beschränkt. Gleichzeitig kann der Tierbesitzer zur Abgabe seiner "überschüssigen" Tiere gezwungen werden, ohne dass es wie bislang nötig ist, dass sich die Nachbaren gestört fühlen und dies auch nachweisen können.
Als die Ministerin ihr neustes Projekt bekannt gab, ging ein Aufschrei durchs ganze Land. Über Parteigrenzen hinweg und quer durch alle sozialen Schichten wurde die Agrarministerin schwer kritisiert, und in den Karikaturen der sozialen Netzwerke kam immer wieder die Frage auf, ob die Frau Ministerin nichts besseres zu tun hätte - zum Beispiel die Landwirdschaft und die Fischerei zu unterstützen. Und tatsächlich wurde dieser Unsinn auf Eis gelegt! Bleibt nur  zu hoffen, dass es nicht wieder auftaut!



2017 – Es hat sich viel getan...


Tierschutz wird in Portugal inzwischen sehr ernst genommen. Natürlich gibt es noch viel zu tun, aber Tiere haben inzwischen ein eigenes rechtliches Statut. Die PAN hat einen Abgeordneten ins Parlament und eine neue Regierung nimmt die Forderung nach mehr Tierschutz ernst. Haustiere dürfen neuerdings sogar in Cafes und Restaurants. Was die Tierheime betrifft, so wurde das Einschläferten verboten. Nicht jedoch ohne Widerstand, der Übergangszeiten schuf und so vielen Hunden und Katzen den Tot brachte. Zum ersten Januar sollen die Tiere jetzt ein für alle mal nur noch kastriert, entparasitiert und geimpft werden. Machen wir uns aber nichts vor, dieses lukrative Geschäft mit dem Töten der Tiere wird sicher durch andere Tierquälereien ersetzt. Doch werden es diesmal illegale Aktionen sein und die Polizei ist verpflichtet einzuschreiten. Tierschutz braucht also immer Tierschützer, egal was das Gesetz sagt, und in Portugal gibt es davon immer mehr.


Zuletzt noch ein Dankeschön an alle Leser...