Erdbeben im geologisch und politisch instabilen Gebiet – Wenig Hilfe für Kurden?

Erdbeben im Kurdengebiet Iran - Screenshot YouTube

Im Grenzgebiet von Irak und dem Iran, am süd-östlichem Rand des Siedlungsgebiets der Kurden, kam es zu einem Erdbeben von 7,3 auf der Richterskala. Über 400 Tote, Tausende Verletzte und unzählige Menschen, die ihr Obdach verloren haben. Doch scheint Irans Regierung wenig interessiert Hilfe zu leisten. Warum nur?


Von Rui Filipe Gutschmidt



Es war ein schweres Erdbeben, wenn auch in großer Tiefe, welches die Provinz Kermanshah und die angrenzenden Gegenden heimsuchte. Das Epizentrum lag in der Nähe der Stadt Halabja, in einer Tiefe von 22 Km, was die Reichweite erhöhte aber im Gegenzug die Zerstörungen etwas begrenzte. Im Irak, bei Sulamaniya, sind „nur“ 8 Todesopfer und 336 Verletzte zu beklagen, während im Iran von über 400 Toten und 6.400 Verletzen die Rede ist. Dazu kommen noch 70.000 Menschen, die ihr Obdach verloren. Doch neben den Zahlen, hinter denen sich immer auch Schicksale verbergen, gibt es Aspekte, die den aufmerksamen Beobachter stutzig machen.


Die betroffene Region liegt am südlichem Rand der von Kurden bewohnten Region und daher ist die zögernde Haltung des Iran beim Akzeptieren internationaler Hilfe und selbst der eher halbherzige Einsatz von Helfern aus Teharan, ein Hinweis auf die Spannungen. Das Unabhängigkeitsreferendum im irakischen Kurdistan hat die Führung in Teheran nervös gemacht.


Wenn bei einem Erdbeben die Rettungsmannschaften nach einer Woche abgezogen werden, oder sogar schon nach 4 oder 5 Tagen, dann kann man das nachvollziehen, obwohl man selbst dann noch auf Überlebende stoßen kann. Der Iran hat aber bereits am zweiten Tag (Dienstag) nach dem Beben (Sonntag), die Rettungsmannschaften abgezogen und eine Staatstrauer ausgerufen. Ich glaube nicht, dass jemand, der unter Trümmern lebendig begraben auf Hilfe wartet, einen Trost darin findet, dass zu seinen Ehren eine Staatstrauer ausgerufen wurde...


Erdbeben im Kurdengebiet - Screenshot YouTube
Doch das Rückzugsgebiet der PKK-Rebellen, die auch im Norden des Iran aktiv sind, ist keine Priorität für die regionale Großmacht am Persischem Golf. Dass es ausgerechnet die Türkei war, deren Hilfe von Teharan akzeptiert wurde, ist ein weiterer Hinweis. Ob türkische Agenten im Krisengebiet nach PKK-Kämpfern oder anderen in der Türkei gesuchte Hintermänner gesucht haben, nachdem sie mit den Rettungskräften mit eingeschleust wurden, ist unklar. Ob dies vom iranischen Geheimdienst gedeckt wurde ist ebenfalls spekulativ. Doch es ist durchaus vorstellbar, dass in der betroffenen Region, wo sich bekanntermaßen PKK-Kämpfer und Aktivisten verstecken, die Geheimdienste des Iran und der Türkei – eventuell sogar der Iraker – die Gunst der Stunde nutzen, um Jagd auf den gemeinsamen Feind zu machen.


Ein zynischer Gedanke, gewiss! Zu behaupten, dass die Menschen im Erdbebengebiet nicht die Hilfe hatten, die anderen zuteil wird, weil sich in der Gegend Rebellen verstecken und von großen Teilen Bevölkerung gedeckt werden, würde wohl zu weit gehen. Aber die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, ist durchaus legitim. Leider spricht einiges dafür, was wiederum kein gutes Licht auf den Iran wirft. Doch wahrscheinlich wird in ein paar Jahrzehnten die Wahrheit bekannt – wenn nicht schon früher.


https://www.youtube.com/watch?v=3uxAySvrRe0