Saudi-Arabien vor einem Umbruch - Krieg oder Frieden im Orient?

Fahne Saudi-Arabiens - Pixabay.com CC 0

Saudi-Arabien ist an einem kritischen Punkt angelangt. Zwischen Reformen auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet und dem alten Muff der Ultra-Religiösen, korrupter Machtstrukturen und undurchsichtiger Finanzierung von Terrororganisationen wie ISIS, versucht der Kronprinz sein zukünftiges Reich zu stabilisieren. Doch könnte es auch geschehen, dass er sein Land geradewegs in einen Krieg gegen den Iran führt.


Von Rui Filipe Gutschmidt

Das Königreich Saudi-Arabien hat ein mittelalterliches Regime, in dem Frauen keine Rechte haben und ein Steinzeit-Islam im krassem Gegensatz zu dem unendlichen Reichtum steht, der auf den sprudelnden Ölquellen der saudischen Wüste basiert. Der regionale Machtkampf mit dem Iran, bei dem gewisse Kreise aus dem Machtapparat des Königshauses die sunnitischen Terroristen stützen und die Unterstützung der jemenitischen Regierung im Bürgerkrieg des südlichen Nachbarn, haben dem Wüstenstaat viel Kritik eingehandelt und kosten Milliarden Dollar. Um nicht in einer Welt unterzugehen, die im Wandel begriffen ist, scheint Kronprinz Mohammed bin Salman Reformen umsetzen zu wollen.


Der Kronprinz baut zu diesem Zweck erstmal seine Macht aus und führte eine Säuberungsaktion durch. 20 hochrangige Mitglieder im elitären „Klub“ der einheimischen Machteliten wurden auf sein Geheiß und in Absprache mit dem König, verhaftet und wegen Korruption angeklagt. Dabei handelt es sich um 11 Prinzen, ein paar Ex-Minister und einige sehr reiche „Öl-Scheichs“, die bisher alle als unantastbar galten.


So handelt es sich manchen Quellen zu Folge, um ein Manöver des Kronprinzen, der seine Macht festigt und Konkurrenten ausschaltet, damit er das Land in ein neues Zeitalter führen kann. Schon die Erlaubnis zum Autofahren und Zugang in die Stadien für Frauen und eine Lockerung im Justizsystem wurden als erste Anzeichen dafür gesehen und Projekte, die den Wüstenstaat aus der wirtschaftlichen Abhängigkeit vom Öl befreien sollen, wurden auch schon auf den Weg gebracht.


Der Kampf gegen die Korruption oder um die Vorherrschaft in der Region?


Die offizielle Version ist einfach „nur der Kampf gegen die Korruption“. Damit will das Königshaus „bessere Verhaltensweisen“ in der saudischen Wirtschaft provozieren... nun, wer es glaubt, wird selig. Tatsächlich steht Saudi-Arabien unter Druck. Der Stellvertreterkrieg in Syrien und die Finanzierung von ISIS brachten dem Königreich einen schlechten Ruf, der sich auf die Wirtschaft des Landes auswirkt. Der Rücktritt des libanesischen Regierungschefs Saad Hariri, der den Iran und die Hisbollah beschuldigt, ein Attentat auf ihn (wie das, dass seinen Vater vor 12 Jahren getötet hat) geplant zu haben, ist mit Sicherheit ein Teil der neuen Strategie.


Denn die Saudis sehen die Zunahme der Machtfülle der Hisbollah, die mit russischer Hilfe in Syrien agieren, als Bedrohung. Dabei werden die Vorkommnisse im Libanon seitens Saudi-Arabiens als „Kriegserklärung“ bezeichnet. Obwohl diese Rhetorik nicht den Stellenwert hat, den sie hier in Europa hätte, sind es doch scharfe Worte, die entsprechende Konsequenzen nach sich ziehen können.


Der mutmaßliche Abschuss einer Rakete der jemenitischen Rebellen, nahe des Flughafens von Riad, ist ein weiteres Zeichen für eine Ausweitung des Krieges. Würden nicht die USA ihre Schützende Hand über Riad und Russland wiederum seine Hand über Teheran halten, dann wäre ein direkter Krieg wohl unvermeidlich. Ein solcher Krieg würde aber den gesamten Arabischen Raum in Flammen aufgehen lassen und auch Europa wäre stark von den Auswirkungen betroffen. Der Ölpreis ist bereits jetzt am ansteigen und neue Flüchtlingswellen wären zu befürchten. Es ist an der Zeit, dass die Vereinten Nationen zusammentreten, um die Streithähne von einander zu trennen.