Wissen und Glaube gehören nicht zusammen

Ibn Alhazen - Flickr.com CC BY 2.0
Warum Kulturen zu Grunde gehen, wenn sie sich von Religionen und deren Vorstellungen anführen lassen und auseinanderfallen, wenn sie sich den Launen des Glaubens ausliefern.

Der erste Wissenschaftler, den man heute als solchen ansehen kann, war Ibn Alhazen, ein in Basra geborener Araber, der bei Kairo sein Leben im 10. Jahrhundert verbrachte. Er hatte das Glück im Goldenen Zeitalter des Islams gelebt zu haben, als das Wissen durch manche Stellen des Korans begünstigt wurde.

Alhazen beschäftigte sich mit optischen Experimenten und mit dem Licht, wobei er meinte, dass keine einzige Möglichkeit der Untersuchung wie der Überprüfung weggelassen werden könnte, um eine Wahrheit zu erlangen, welche er auch als Endergebnis bezeichnete. Dieses Endergebnis könnte nach Feststellung anderer Ergebnisse auch wieder überprüft werden und zu anderen Ergebnissen führen, die die ersten zu einer ersten Stufe für weitere Erkenntnisse oder diese sogar komplett ungültig machen könnten. Also, Experimente und Überprüfung auf allen möglichen Ebenen bis das Ergebnis sich wiederholt bestätigt.

Dies war eine Einstellung, die religiösen Vorstellungen entsprach, die von zeitbedingten Interpretationen von Menschen abhing, die in einer in sich ruhenden Kultur lebten. Die heute in der moderne Welt verwendete wissenschaftliche Methode war es, die Alhazen vertreten hatte. Ptolomäus und Aristoteles waren in den von Cordoba bis Bagdad ausgedehnten Kalifat eine von vielen Motivationen für Studien der arabischen Gelehrten. Sie hinterließen der Welt außerdem die Kenntnisse der Algebra und raffinierte Architetur sowie Kunst, Musikkenntnisse, Instrumente. Der Name AL-Khwarizmi, den Erfinder der Algebra und der Trigonometrie, ist Mathematikern bekannt.

Mit den Ideen von Descartes, den viele noch für den Begründer der wissenschaftlichen Methode mit seinem „Discours Sur la Méthode“ halten und die eine von von Gott durchaus regierten mechanische Welt in den Vordergrund stellt, hat diese Einstellung nichts zu tun. In der Tat war vor tausend Jahren die muslimische Welt kulturell viel weiter als Europa und ging in der Zeit danach fast wieder in die Steinzeit zurück. Die Gründe dafür sind sehr viele, die nicht in einige Zeilen passen.

Wie es bei religiös bestimmter politischer Macht die Realität ist, bleibt die dieser bestimmenden Religion nicht angehörenden Bevölkerung nicht gern untertan und wird von vielen ihrer Vorzüge meist ausgeschlossen. Die Besatzung der Iberischen Halbinsel war bei den Einheimischen nicht sonderlich beliebt und oder gar verstanden, egal ob die Besatzer zur Zeit eine höhere Kultur hatten oder nicht. Das interessiert die Besetzten meist nicht! Den Anspruch das eigene Wohngebiet wieder zu haben, kann mit dem moralischen Recht verglichen werden, die die Ureinwohner Amerikas auf ihr Land gegenüber den Europäern besaßen. Nun, im Falle der Iberer, waren sie schließlich in der Lage, ihr Land mit militärischer Kraft wieder zu gewinnen und die ursprünglichen Einwohner Amerikas, nicht.

Die Worte vom amerikanischen Astrophysiker Neil Degrasse Tyson können in dem Zusammenhang sehr wertvoll sein:

Wissen darf nicht von den Launen von Glaube, Religionen und deren zeitbedingten theologischen Vorstellungen abhängig sein. Wissenschaft muss frei sein und darf niemals an irgendwelchen vorgegebenen festgelegten Ideen von Gott und, wie die Welt nach seinen Wünschen funktioniert, gebunden bleiben. Damit neigt es sich irgendwann zu verlieren.“

Auch Katholiken, Evangelisten, Buddhisten, Hindus und alle anderen sind in der Beziehung auszuschließen. Wenn Gott sich nicht in Wissen einmischt, darf der Mensch selbst etwas erreichen, was dann in „Göttlichen Sinne" der Wahrheit der Natur entnommen wird. Dadurch kann sich Wohltat vollziehen. Lernen tun der Mensch und die Menschheit in langsamen kurzen Schritten und von Ambitionen und Habgier der Macht müssen sich auch alle unsere wunderbaren Dinge distanzieren und frei sein können. Von Glaube und Aberglaube sowieso.