„Rarissimas“ - Bereicherung auf Kosten sozialer Einrichtungen – Ein Skandal, der denken gibt

Rarissimas - Hilfsorganisation für Menschen mit seltenen Krankheiten und geistiger Behinderung - Screenshot YouTube

Was ist in Portugal nur wieder los? „Freikirchen“ die Kinder ins Ausland verschleppen, Banker die das ganze Land in die Krise stürzen und jetzt auch noch das hier: Eine Wohltätigkeitsorganisation deren Leiterin sich auf Kosten von Spenden und staatlichen Zuwendungen ein Leben im Luxus gönnte... Es gibt kaum etwas schlimmeres, als sich auf Kosten Hilfsbedürftiger zu bereichern.

Von Rui Filipe Gutschmidt

Paula Brito e Costa, die Gründerin der „Rarissimas“, eines Vereins zur Unterstützung von Menschen mit geistiger Behinderung und mit seltenen Krankheiten, hat einen Sohn mit Cornélia de Lange Syndrom. Um besser mit der Situation klar zu kommen, ein pflegebedürftiges Kind großziehen zu müssen, nahm Frau Brito e Costa 2002 dieses Projekt in Angriff. Schnell kamen andere Betroffene hinzu und die Organisation wuchs.

Inzwischen versorgen sie Hunderte Kinder und Erwachsene und ihre Kliniken und Einrichtungen aller Art haben Kapazitäten für 4.000 Hilfsbedürftige. Das alles benötigt viel Geld und neben den Mitgliederbeiträgen sind es vor allem Sponsoren aus der Wirtschaft und Zuschüsse vom Staat, die der Rarissimas genug Mittel zur Verfügung stellen, um sie überleben zu lassen.

4,2 Millionen Euro gab es die letzten 7 Jahre an staatlichen Zuschüssen und dazu noch Zuwendungen von Städten, die Land vergaben, Einrichtungen zur Verfügung stellten... Alles in allem, eine erfolgreiche Organisation, die – das sollte man bei all dem nicht vergessen – viel Gutes tut. Das Problem sind hierbei nicht die staatlichen Zuwendungen, sondern die lasche Kontrolle darüber, was mit dem Geld geschieht.

Jeder sieht, der dies möchte, die Hippotherapie, die Musiktherapeuten und Physiotherapeuten, die natürlich ihre Gehälter haben und alle Einrichtungen funktionieren anstandslos, für jedermann ersichtlich. Das Problem liegt bei den Ausgaben, die von Paula Brito e Costa für ein Leben in Luxus verwendet wurden. Nichts gibt der Gründerin das Recht, Kleider, Schmuck, Besuche im Spa, Luxusauto und so weiter, mit Geldern der Organisation zu bezahlen. Zu allen diesen Extras kommen noch ein dickes Gehalt für sich, ihrem Mann und dem Sohn, den sie immer als „Erbfolger“ bezeichnet.

3.000 Euro zuzüglich 1.300 für Spesen und weitere 800 für einen Altersvorsorgeplan, sind für portugiesische Verhältnisse ein sehr gutes Monatsgehalt. Doch scheinbar fühlte sich Paula zu klein, wenn sie mit Sponsoren, Präsidentengattinnen, Königinnen und Prinzessinnen dinierte und für ihre Sache warb. Sie meinte wohl, dass sie Diamanten, Designerkleider und Dienstpersonal bräuchte, um auf gleicher Höhe mit all den wichtigen Geldgebern zu stehen.

Ihre Argumentation aber, es seien „Ausgaben zur Representation“, lassen die wenigsten ihrer Mitarbeiter, die Politik, die Menschen in Portugal allgemein und auch die Staatsanwaltschaft nicht gelten. Inzwischen ist Paula Brito e Costa zurückgetreten und im Ministerium für Arbeit und Soziales, sowie im Gesundheitsministerium sorgt die mangelnde Prüfung dessen, was die privaten Einrichtungen mit den ihnen zugestandenen Geldern anstellen, für viel Unruhe. Bald schon werden dort Köpfe rollen und man kann sicher sein, dass bei genauerer Prüfung auch an anderer Stelle so einiges aufgedeckt wird.

Mit der Not anderer Menschen, das ist nichts neues, kann man viel Geld machen. Wenn dieses Geld richtig eingesetzt wird, dann kann viel Not gelindert, viel Gutes getan werden. Doch die hohen Summen verführen auch und nicht selten versickern unsere Spenden und Steuergelder in dunklen Kanälen. Auch Geldwäsche wird in den Wohltätigkeitsorganisationen betrieben und es ist an der Zeit diesen Machenschaften ein Ende zu setzen. Es gibt kaum etwas verwerflicheres, als sich auf Kosten Hilfsbedürftiger Menschen zu bereichern! Es muss stärker kontrolliert werden, der Staat muss hier seine Pflichten wahrnehmen und den schwächeren Mitgliedern der Gesellschaft Schutz

gewähren. Private Organisationen dürfen hierbei gerne den Staat unterstützen, nicht umgekehrt wie es zur Zeit der Fall ist. Wohin das führt, führen kann, wenn der Staat seine Pflichten zusammen mit viel Geld in private Hände legt, sieht man an diesem Beispiel. Es gibt aber schlimmere Situationen und der Staat muss natürlich auch überprüft werden, zu mal es letztlich immer Menschen sind, die manchmal nicht dem vielen Geld widerstehen.