Cannabis für rekreative Zwecke in Kalifornien legalisiert – wird auch Zeit!

Erntereife Cannabispflanze - Flickr.com CC BY 2.0

Das neue Jahr fängt gut an für die Freunde des rekreativen Hanfkonsums. Kalifornien hat seit langem den medizinischen Gebrauch von Marihuana gestattet, doch seit dem ersten Januar ist der Konsum auch für rekreative Zwecke gestattet. Ein Vorbild für alle demokratischen Gesellschaften.

Von Rui Filipe Gutschmidt 06. Januar 2018

Die USA sind im Stande das Beste und das Übelste hervorzubringen. Bei ihrer Gründung setzten die ehemaligen Kolonisten ihre Ideale einer demokratischen Staatsform um und wurden zum Vorbild der heutigen Demokratie. Doch so fortschrittlich es ende des 18. Jahrhunderts auch gewesen sein mag, so rückständig erscheint es uns heute, dass sie sich Sklaven hielten, die Kolonisierung des Westens mit dem Blut der Ureinwohner getränkt wurde und der Raubtierkapitalismus bis heute ein zutiefst korruptes Zweiparteiensystem an der Macht hält. So nützen Demokratie und Menschenrechte nur wenig, wenn sie geopfert werden, weil sie den Wirtschaftsinteressen des Großkapitals im Wege stehen.

Ein gutes Beispiel war die Zeit der Prohibition. Alkoholismus hatte nach dem ersten Weltkrieg und während der Weltwirtschaftskrise extreme Ausmaße angenommen und Großindustrielle hatten ein Problem mit betrunkenen Arbeitern. Auch die Macht der vielen Religionsgemeinschaften war groß und sie verlangten ein Alkoholverbot im Gegenzug für ihre Unterstützung bei Wahlkampagnen. Die Selbsternannten Hüter der Moral lassen nur eine „Droge“ zu – ihre Religion, das Opium des Volkes. Die „Schönen und Reichen“ feierten aber in mehr oder weniger geheimen Räumen bei Alkohol, Glücksspiel und Prostituition, als gäbe es kein Morgen! Die Mafia verdiente sich eine goldene Nase und die Kriminalität nahm nie dagewesene Ausmaße an.

Alkohol musste legalisiert werden und die Verbrechersyndikate stiegen auf andere Einnahmequellen um. Glücksspiel und Prostituition blieb ihnen und mit den Heimkehrern aus den Kriegen – vor allem aus Japan, Nordafrika, Korea und Vietnam und durch die Interventionen in Afrika und Lateinamerika, kamen verschiedene Drogen schnell in Mode. Die Verbindungen der CIA und die Experimente der Militärs mit LSD, PCP und Amphetaminen taten ein Übriges, um eine ganze Reihe von Drogen in unserer Gesellschaft in Umlauf zu bringen. Das „Verbot“ bringt Jugendliche nur dazu aus der natürlichen Rebelleneinstellung in der Pubertät heraus, erst recht Drogen zu probieren. Aber vor allem die Möglichkeit mit extrem süchtig machenden Stoffen viel mehr Geld zu verdienen wenn diese illegal sind, wie mit legalen Drogen (Alkohol, Nikotin, Koffein...) lässt manche Lobbys gegen Legalisierung oder Entkriminalisierung Kampagne machen.

Alle bisherigen „Entkriminalisierungen“ und „Legalisierungen“ fanden auf enormen Druck seitens der Öffentlichkeit statt. Gerade die uralte „Kiffer-Übertreibung“ bei der ein Cannabiskonsument mit schwerstabhängigen Heroin- und Kokainkonsumenten gleichgesetzt wurde hat mehr Schaden angerichtet als alles andere. Gleichzeitig verharmloste man die Gefahren einer Alkoholabhängigkeit und die Pharmakonzerne überschwemmten die Gesellschaft mit ihrer Chemie!Darum, unter anderem mehr, gratuliere ich den Kaliforniern für diesen mutigen, längst überfälligen Schritt und hoffe, dass die EU und der Rest der Welt schnellstens folgen.

Etwa 100 Läden haben eine Lizenz zum Verkauf von dem guten „Gras“ in Kalifornien und da man den Verkauf zunächst auf fünf Städte (darunter Oakland, San Jose und San Diego) beschränkte und die Metropolen San Francisco und Los Angeles noch nicht dabei waren, kam es zu einem riesigen Andrang in den Läden. Nach Colorado, Washington, Oregon, Alaska und Nevada, ist Kalifornien nun der sechste US-Bundesstaat in dem Cannabis zu rekreativen Zwecken erlaubt ist. Maine und Massachusetts kommen noch dieses Jahr hinzu.

Schon jetzt wird der Markt für legales Cannabis auf 8 Milliarden US-Dollar geschätzt. Als illegale Droge verdienten Kriminelle ein Vielfaches davon und der Staat bekam nur Spesen und eine Verschwendung an Ressourcen bei Polizei, Justiz und Gesundheitswesen... Schon jetzt haben mexikanische Drogenkartelle Milliardenverluste, während in den USA neue Jobs geschaffen werden. Dennoch bemüht sich diese Mafia auch weiterhin den Cannabiskonsum zu verteufeln.

Kiffen macht dumm und verursacht Psychosen“, heißt es. Doch Psychosen brauchen große Mengen THC, die legal nicht zu erwerben sind. Auch die Stärke einzelner Sorten kann besser kontrolliert werden, wenn sie unter legaler Kontrolle stehen und der Verkauf an unter 21-jährige ist nicht gestattet. Vom Alkohol bekommt man leichter eine Psychose, fällt ins Delirium, wird körperlich abhängig und auch Todesfälle bei einer Alkoholvergiftung sind gar nicht mal so selten. Eine „Überdosis Marihuana“ gibt es andererseits nicht!
Cannabis - Pixabay CC 0
Gratuliere, Kalifornien. Ihr seit ein positives Beispiel!
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