„Desolate Bundeswehr“ – Stimmungsmache für Aufrüstung?

Ein Leopard 2 der Bundeswehr. Flickr / Bundeswehr CC BY-ND 2.0
In letzter Zeit mehren sich die Hiobsbotschaften, wonach es der Bundeswehr an Ausrüstung und funktionierendem Gerät mangle. Soll so die militärische Aufrüstung Deutschlands im Dienste der globalen Finanzeliten schmackhaft gemacht werden?

Von Marco Maier – 19. Februar 2018

Nachdem Deutschlands Sicherheit inzwischen schon am Hindukusch, in der Sahara, am Euphrat und im tiefsten Osteuropa verteidigt werden muss, wie die ganzen Truppenstationierungen im Rahmen diverser Missionen zeigen, macht sich scheinbar eine militärische Überdehnung der deutschen Streitkräfte bemerkbar. Propagandistisch geschickt werden deshalb immer wieder Medienberichte lanciert, wonach der materielle Zustand der Bundeswehr "desolat" sei und man um mehr Geld für die Truppe nicht herumkomme.

So ist derzeit kein einziges U-Boot der deutschen Marine einsatzbereit, mit den Panzern und Hubschraubern gibt es Probleme und nun, so heißt es laut der "Rheinischen Post" auf Grundlage eines Dokuments des Bundesverteidigungsministeriums, dass die Bundeswehrsoldaten die im Rahmen der sogenannten "NATO-Speerspitze" in Osteuropa aktiv sind nicht ausreichend Schutzwesten, Winterbekleidung und Zelte besitzen. Bei letzteren gibt es lediglich einen Abdeckungsgrad von unter 25 Prozent zu dem, was als Bedarf gemeldet wurde. Zudem seien die Zelte für diesen Zweck gar nicht geeignet – also nicht wirklich winterfest.

Anstatt die Überdehnung der Bundeswehr mit all den (auch über die NATO stattfindenden) Auslandseinsätzen zu hinterfragen, stellt sich die etablierte Politik – vor allem in Form von Union, SPD und FDP – hinter den Spruch des "materiellen aushungerns" der Bundeswehr. Auch so kann man nämlich dafür sorgen, dass eine massive Erhöhung des Wehretats – wie von der NATO als Ziel eingefordert – in Richtung zwei Prozent der Wirtschaftsleistung auch in der Gesellschaft auf Akzeptanz stößt. Bislang nämlich ist dies nicht der Fall.

Eine gut ausgerüstete Bundeswehr zur Landesverteidigung ist nicht verkehrt und dafür auch entsprechend Geld auszugeben ebenfalls nicht. Allerdings kann es nicht sein, Unsummen in den Kriegsapparat zu stecken, um dann für die Interessen der globalen Finanzoligarchie an Kriegen teilzunehmen, die Fronttruppen der NATO gegen Russland zu stellen und sich in Konflikte einzumischen, was nur zu noch mehr Chaos und Flüchtlingen führt als es ohnehin schon der Fall ist. Aber in den transatlantischen Kreisen der bundesdeutschen Politik wird dies geflissentlich ignoriert.

Nicht die Bundeswehr und deren Ausrüstung sind desolat, sondern das herrschende politische System, welches im Rahmen der transatlantischen Verbindungen und der Unterwürfigkeit gegenüber der westlichen Finanzoligarchie die deutschen Soldaten rund um den Globus senden, um sich dort an militärischen Operationen zu beteiligen, die nur der Etablierung einer Neuen Weltordnung dienen und schlussendlich nicht für mehr sondern ganz im Gegenteil für noch weniger Sicherheit für Deutschland sorgen. Umso wichtiger ist es, jene Kräfte zu kritisieren, welche der weiteren Aufrüstung der Bundeswehr Vorschub leisten wollen, damit Deutschland noch garantiert in einen neuen Weltkrieg hineingetrieben wird.