Die Tür oder die Gedankengänge eines Banksters

Eine Tür - Pixabay CC 0

Wenn das schlechte Gewissen sich doch meldet Gedankengänge eines Banksters? Der Albtraum des Ricardo Salgado in der ersten Nacht nach seiner Verhaftung? Die letzte Sitzung beim Psychotherapeuten des Patienten Ackermann? Wer weiß das schon. Könnte aber durchaus sein.

Rui Filipe Gutschmidt 05. Feb. 2018

Eine Tür. Sie ist einen Spalt geöffnet. Ein dumpfer Lichtstrahl schimmert aus dem Raum, der sich dahinter verbirgt. Ich spüre, wie eine frostige Kälte durch meine Knochen fährt. Ein modriger Geruch kriecht mir in die Nase, und obwohl er mir vertraut ist, provoziert dieser Gestank in mir ein unbehagliches Gefühl.

Ich gehe einen Schritt vorwärts. Auf wackligen Knien stehe ich da und bemerke plötzlich, dass mir der Angstschweiß auf der Stirn steht. Der beißende Gestank nach fauligem Fleisch ruft in mir einen Brechreiz hervor. Meine Gedärme rebellieren, mir wird schwarz vor Augen und während ich mich übergebe, schießt mir nur ein Gedanke durch den Kopf: “Nichts wie weg hier!”

Ich würge noch und so langsam bekomme ich das Gefühl, daß ich noch meine gesamten Innereien erbrechen werde.

Nach und nach lässt das Schwindelgefühl nach, dass ich während dieser kleinen Ewigkeit verspüre und raffe mich wieder auf. Vor mir eine Lache von Erbrochenem. Meine Knie sind feucht, mein T-Shirt nassgeschwitzt.

Dunkelheit! Stille!

Die Tür stoße ich zu, als mir für eine kurze Zeit die Sinne geraubt werden. Ich beuge mich nach vorne und versuche verzweifelt die Türklinke zu finden. Panik macht sich in meiner Seele breit, während ich mit den Knien durch die Lache rutsche. Der Gedanke mit den Knien durch meinen eigenen Magenauswurf zu kriechen, widert mich an.

“Scheiße!” Dieser Ausruf, voller Aggression und Wut hallt von den Wänden wider und provoziert in mir einen spontanen Anfall von Verzweiflung. Weinend wie ein Häufchen Elend knie ich zusammengekauert vor der verschlossenen Tür.

“Oh Gott!” Ein Hilfeschrei nach einem Wesen, an das ich nicht so recht glaube. Durch diese Erkenntnis verfliegt meine Mutlosigkeit. Ich erhebe mich und mit allem Mut, den ich aufbringen kann, drücke ich die Klinke und reiße die Tür auf!

Im erstem Moment geblendet, frage ich mich noch, was mir solche Angst machen könnte. Als sich meine Augen schließlich an das grelle Licht gewöhnen, blicke ich verblüfft...

...in einen Spiegel!

Zweifelsfrei ein schwerer Weg zur Selbsterkenntnis

Schon Platon wusste, dass die Wahrheit wie grelles Licht ist und anfänglich in den Augen schmerzt. Die Wahrheit über sich selbst ist dabei die schlimmste überhaupt, wie vorangegangener Text zu illustrieren versucht. Fraglich jedoch, ob Bankster überhaupt ein Gewissen haben, welches als Voraussetzung gilt, um eine Selbsterkenntnis auch nur ansatzweise zu erfahren.

Doch Bankster sind nicht die einzigen, die eine solche Erfahrung benötigen. Korrupte Politiker, skrupellose Unternehmer und gewissenlose Umweltsünder, eben all jene, die einen Stein auf dem Gewissen haben... Wenn das eigene Spiegelbild so schrecklich ist, dass einem das Frühstück wieder hochkommt, dann könnte der Stein recht nützlich sein. Doch zu dieser Erkenntnis muss jeder selbst gelangen.