Kälte vom Nordatlantik friert Portugal ein – Städte aktivieren Notfallplan für Obdachlose

Präsident Marcelo R. de Sousa bei Lissabons Obdachlosen - screenshot YouTube

Die Kälte, die auch über Süd-Westeuropa hereinbricht, hat bereits Madrid weiß angemalt. In Portugal ist es wiederum eine trockene Kälte, die aber ausreicht um den Obdachlosen das Leben zur Hölle zur machen. In Lissabon besuchte Präsident Marcelo die Menschen auf der Straße, für die gesorgt wird. Auch in Porto werden Unterkünfte bereitgestellt. Aber viele werden einfach vergessen...


Von Rui Filipe Gutschmidt 06. Februar 2018

Wie immer, wenn es kalt wird in Portugals großen Städten, werden die „Notfallpläne“ aktiviert, die U-Bahnstationen bleiben geöffnet und auf einmal sind die Obdachlosen wieder Menschen. Das ganze Jahr über geht man an ihnen vorbei, fühlt sich genervt, „bedrängt“ oder sogar bedroht, wenn man von ihnen angesprochen wird. Immer wieder bekommen diese Menschen zu spüren, dass sie am untersten Rand der Gesellschaft stehen, wobei die wenigsten sich die Mühe machen um nach dem „Warum“ zu fragen.


Ja, es gibt sie noch immer, nicht nur in Portugal sondern fast überall auf der Welt. Menschen ohne Wohnung, einem Dach und vier Wänden, einem Bett, Tisch, Schrank... Aber sind sie nicht selbst Schuld, wenn sie das Angebot des Sozialstaats nicht nutzen? Sind das nicht alles Alkoholiker, Drogensüchtige, Menschen die sich nicht anpassen wollen? Nein! Es sind Menschen, die von der Gesellschaft im Stich gelassen wurden, enttäuscht sind, psychische Probleme haben und denen der Staat – das Gebilde, dessen Aufgabe es ist allen Bürgern Schutz zu gewährleisten – besser Helfen muss, als bisher.


In Lissabon war Präsident Marcelo Rebelo de Sousa auf der Straße und versprach erneut eine Unterkunft für jeden der 8.000 bis 10.000 Obdachlosen in Portugal. Er mag ja ein besorgter Politiker sein – selten genug -, aber ich denke mal, dass sich Senhor Presidente gewaltig irrt, wenn er wirklich glaubt, dass er in den nächsten fünf Jahren alle Gestrandeten von der Straße holen kann.


Das Problem ist die Vielschichtigkeit der Menschen und der Gründe aus denen die Menschen auf der Straße landen. Ihnen eine Wohnung oder ein Zimmer zu besorgen ist das Eine, ihnen ein echte Chance zu geben, in einer Gesellschaft die sie als „unproduktiv“, als „unzuverlässig, faul, süchtig, kriminell...“ abstempelt, ist noch mal etwas ganz anderes. Doch nur weil es schwierig ist, heißt es nicht, dass man diese Leute einfach hängen lässt. Im Gegenteil. Es bedeutet nur, dass sich unsere Gesellschaft solidarischer gestallten muss und auch keine Probleme damit haben darf, viel Geld dafür locker zu machen.


Doch die Temperaturen, die zwischen +5ºC und -7ºC erreichen, sind auch ein Problem für alle, die in schlecht isolierten und nicht oder kaum beheizten Häusern leben. Sehr viele, meist ältere Menschen, leben in miserablen Behausungen und andere laufen Gefahr, von heute auf morgen auf der Straße zu landen. Diese Bürger haben ein Dach und Wände, doch es regnet rein und der Wind pfeift durch die Ritzen. Auch sie werden vergessen, vernachlässigt, marginalisiert. Auch sie müssen von einer Gesellschaft aufgefangen werden, die genug Geld generiert, um niemanden zurückzulassen. Das gilt insbesondere für das Geld, dass die Bankster kassierten oder bei Privatisierungen, faulen Verträgen und, und, und, gierigen Spekulanten und korrupten Staatsbediensteten in den Rachen geworfen wurde!



Fazit? Es ist Kalt, in Portugal, aber in den Herzen mancher Menschen herrscht eine Eiszeit!