Rio de Janeiro im Ausnahmezustand nach dem Karneval

Brasiliens Präsident Michel Temer als Vampir Sambaschule Paraíso do Tiuti - Screenshot Youtube


Die Rache des Vampirs. Zum ersten Mal in der Geschichte erlebt die Welt wie ein Vampir den Ausnahmezustand ausruft.

Von Noel Nascimento – 17.02.2018

Nicht nur seit letzter Woche ist Rio de Janeiro eine gefährliche Stadt die an Kriminalität und Drogenkrieg zwischen Verbrechern leidet. Seit Jahrzehnten ist das Problem durch Verharmlosung und Verachtung der sozialen Umstände, die die Stadt schon in den Zeiten der Militärs aufwies, nicht mit ernstzunehmenden Maßnahmen bekämpft worden. Eher umgekehrt, die Favelas und armen Stadtviertel sind stets mit polizeilichen Maßnahmen und autoritärem und gewalttätigem Vorgehen seitens der Regierenden abgestraft worden. Mittelalterliche „Lösungen“ für Konflikte die Ergebnis von Armut und Vernachlässigung sind, münden in der Entstehung von Parallelgesellschaften. Die Erwartung, dass diese nicht in Konflikt mit dem in „normalen Bahnen“ verlaufenden Stadtleben tritt, ist nicht nur stupide sondern ebenfalls so ungeheuerlich, wie eine Mutter, die ihre Kinder sterben lässt und nichts dagegen tut.

In einem solchen Zustand hat die brasilianische Gesellschaft und in erster Linie die Stadt von Rio de Janeiro sowie andere Großstädte jahrzehntelang leben lassen. Daraus entstanden die schwer zu beherrschenden Banden die die Stadt, den Mittelstand und die reichen mit Drogen versorgen. Nichts als eine Überlebensform die die im Abseits des Konsumlebens existierende Parallelgesellschaft fand und mit der sie sich von der heuchlerischen Lebensart der reicheren rächte. Gelegentliche Razzien von Polizei und Militärs in diesen Gebieten führten dazu, dass die gesuchten Chefs der Mafiabanden in andere Gebiete übersiedelten und nach Beendigung der Besatzung wiederkehrten. Indem andere es versuchten heimlich in der Abwesenheit der ersten deren Posten einzunehmen, gab es danach immer wieder Krieg zwischen den Banden.

Inmitten des ganzen Geschehens bleibt jedoch die Bevölkerung die diese Gebiete bewohnt, derer übermäßige Mehrheit aus anständig lebenden Menschen besteht, die nur arbeiten und ein Leben in Frieden wollen. Sie sind in großer Mehrheit Geiseln einer Situation die sie nicht geschaffen haben, für die sie nichts können und für die sie auch nicht verantwortlich zu machen sind.

Durch die neu eingesetzte Regierung von Michel Temer, dessen Rolle nicht die Bezeichnung eines Präsidenten, dafür aber die eines Usurpators verdient, werden allmählich die Pläne deutlich, die wenigen hart erkämpften Rechte zu vernichten, die Arme und Arbeiter über Jahre in der Politik vergangener Zeiten erreicht hatten.

Diese Last auf dem Rücken müssen inzwischen die Armen Brasiliens immer mehr tragen, als wären sie nicht nur für die ganze Korruption in der Politik, Steuerflucht von Unternehmen ins Ausland und Begünstigungen von multinationalen Konzerne durch Steuerbefreiung für weitere Jahrzehnte verantwortlich, sondern auch die Kosten dafür müssen sie alleine tragen. Dies alles während Michel Temer den brasilianischen Kongress mit mehreren Milliarden aufkauft um durch Abstimmung das gegen ihn eingeleitete Verfahren wegen Korruption zu stoppen - was ihm schließlich auch gelang.

In dieser chaotischen Situation traten die Sambaschulen im Karneval von Rio auf und machten die Revolte der Menschen der ganzen Welt Kund. Um so schlimmer für Michel Temer, dessen Spitzname unter der Bevölkerung „der Vampir“ ist, war es wohl dann, dass die zwei protestierenden Sambaschulen den ersten und zweiten Platz im alljährlichem Wettbewerb im Sambadrom gewannen und dass eine davon ihn mit einem als Vampir verkleideten Präsidenten darstellte. In einem von mehreren Teilen des öffentlichen Theaters auf offener Straße, welches der Karneval von Rio de Janeiro darstellt, wurden zusätzlich protestierende Marionetten mit dem gelben Trikot der brasilianischen Fußballnationalmannschaft gezeigt und in die Lächerlichkeit gezogen, die auf den Straßen von São Paulo gegen Präsidentin Dilma Rousseff auf Bestellung von TV Globo und der brasilianischen PSDB mit lächerlichen, eingeübten Tänzen „protestierten“. Zusätzlich zeigte die Sambaschule die Eintragungsbücher der Arbeiter und Angestellten in dem die Anstellungen, Gehälter und gearbeiteten Jahre festgehalten werden, mit dem sie ihre Rechte garantiert haben und beweisen können.

Durch das Erscheinen einiger Transparente mit der Aufschrift „Wenn Lula verhaftet wird geht der Hügel in die Stadt hinunter“, was bedeutet, dass die Favelas die Stadt überrollt, hat Michel Temer, der Vampir, die Militärs zur Sicherheit von Rio gerufen und den Ausnahmezustand in der Stadt verhängt. Die Militärs werden ab nächsten Montag mit zirka 30.000 Soldaten die Stadt besetzen um „für ihre Sicherheit zu sorgen“. Wie sie das schon immer getan haben, seit Jahrzehnten.

Und zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit erlebt die ganze Welt live und in Farben wie ein beleidigter Vampir einen Ausnahmezustand ausruft. Als würden die bedrohlichen Stadtteile und Gebiete nicht zu Rio de Janeiro gehören und als wären diese nicht immer schon auch ein Teil der Stadt.

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Hier ein Ausschnitt:


Livestream vom Umzug der Sieger: