Supermond, Blue-Moon, Blutmond – Ein Omen für den Ost-West-Konflikt?

Blutmond - Pixabay CC 0

Syrien, Türkei, Ukraine... Das Jahr 2018 lässt nichts Gutes erahnen und das Schauspiel, dass wir letztens am Himmel erleben durften, wäre in früheren Zeiten als Zeichen der Götter interpretiert worden. Doch ob irgendwelche höheren Wesen uns ein Omen senden oder es einfach nur ein natürliches Phänomen ist; Manch einer wird darin einen Vorwand sehen, um seine Anhänger zu fanatisieren – wie es schon vor vielen Jahrhunderten üblich war.


Von Rui Filipe Gutschmidt 02. Februar 2018

Wie soll man ein Blutbad rechtfertigen? Klar, so wie immer schon... die Götter, Gott, Geister, Ahnen oder eben ein Omen, wie der Blutmond. Manche schauten zumindest zu diesem rot leuchtenden Ball am Himmel auf und es mag sein, dass einige daran dachten, was der Blutmond in früheren Zeiten für eine Bedeutung hatte.


Aber es gibt auch ohne himmlische Vorzeichen mehr als genug Blutvergießen auf aller Welt. Syrien, Afghanistan, Irak, Jemen, Venezuela oder Myanmar, sind die Orte von denen wir derzeit immer wieder etwas hören. Doch es gibt noch viel mehr blutige Konflikte, die sich im Verborgenem abspielen, in Vergessenheit gerieten oder die nach Auffassung unserer Medienvertreter uninteressant sind. Nur ab und zu bomben sich die Abu Sayyaf, Boko Haram und wie sie alle heißen, zurück in unser Gedächtnis. An der Auswahl der Medien, über das was als Interessant gilt, kann man doch immer wieder staunen.


Daher stellt sich nun die Frage, was in der Ukraine geschieht. Man hört seit Monaten nichts und – wie auch in Georgien – scheint der Status Quo allmählich zum Alltag zu werden. Der Status wer? Alltag? Aha! Also nur mal so, zum besserem Verständnis: Nationalistische Fanatiker, bis an die Zähne bewaffnet, viele von ihnen haben Rache geschworen für den Tot von Kameraden, Waffenbrüder, echte Brüder, Schwestern, Eltern, Kinder, Landsleute... Rache, das heißt in diesem Fall Blutrache, ist im Osten Europas nicht einfach nur eine Floskel. Ein Schwur ist etwas, dass man halten muss! Dabei steht die Ehre der gesamten Familie auf dem Spiel und diesbezüglich sind die Moralvorstellungen von Russen und Ukrainern weiter ausgeprägt wie die unseren.


In diesem Fall führt die Moral, die Ehre und der ganze Pathos des Nationalismus aber nur zu mehr Blutvergießen und Gewalt. Hinzu kommt noch der Faktor Washington/Moskau. Generäle, Oligarchen, Politiker und natürlich die Rüstungsindustrie sind beteiligt am lukrativen „Ukrainegeschäft“. Natürlich geht es auch um Rohstoffe und Absatzmärkte, wie das Beispiel der Gaspipeline aus Russland, die durch die Ukraine führt und viele Länder in der EU versorgt. Einen Aspekt gibt es aber noch zu erwähnen, der besonders für Russland wichtig ist und den die USA einfach ignorieren. Auch die EU hat sich in den ukrainischen Wahlkampf eingemischt, um „die Demokratie im Land zu gewährleisten“ und um die „bösen Russen“ draußen zu halten.


Die „bösen Russen“ sind dabei nicht mehr und auch nicht weniger „böse“ wie alle anderen wirtschaftlichen Blöcke. Aber der „Ostblock“, der nicht mehr viel mit dem Ostblock aus dem kalten Krieg zu tun hat, wird vom Westen stark unter Druck gesetzt. Die baltischen Staaten fühlen sich bedroht und ihre Russenphobie stammt von Jahrhunderten der Kriege und Fremdherrschaft. Auch im Kaukasus haben Georgier und viele andere Völker so ihre Probleme mit Russland. Abchasien und Süd-Osetien sind von Georgien getrennte Gebiete, die unter Russlands Schutz stehen.


Wenn man sich in Vladimir Putins Lage versetzt und Russlands Wirtschaftsinteressen in Betracht zieht, dann ist es durchaus verständlich, dass sich die „Supermacht“ nicht immer weiter eingrenzen lässt. Denn die Russen sind ein stolzes Volk, das sich auch im Kommunismus auf den Nationalstolz stützte. Unter Stalin wurde der „große vaterländische Krieg“ ausgerufen und seit jeher waren vor allem Russen in den Schlüsselpositionen des Staates zu finden.



Auf der anderen Seite haben wir die USA, deren Wirtschaftsbosse und Kartelle in aller Welt tätig sind und dessen Militär ein aggressive wirtschaftliche Expansion mit Gewalt oder auch nur mit Gewaltandrohung unterstützt. In einer Welt, in der es weitere Mitspieler wie China, die Tigerstaaten oder auch die EU (losgelöst von den USA) gibt, haben wir jede Menge Konflikte zu erwarten. Die USA haben nach dem Zerfall der Sowjetunion, ihre Stellung als scheinbar einzige Supermacht nicht gefestigt, aber in ihrer Gier und unermesslichen Arroganz haben sich die Amerikaner – mit ihren Verbündeten im Schlepptau – weit über die Grenzen des Akzeptablen hinaus gewagt. Wenn man sieht, wie sehr sich die Machthaber in vielen Ländern auf blinden Nationalismus stützen und was geschieht wenn dieser in Gewalt ausartet, dann steht für mich zumindest fest, dass es keinen Blutmond braucht, damit Menschen, Menschen töten.
Der Blutmond über S. M. Feira - Portugal - Bild von Rui Filipe Gutschmidt ©

Der Supermond hinter leichten Hochnebel - Bild von Rui Filipe Gutschmidt ©