Politischer Mord in Brasilien? Warum starb Marielle Franco?

Marielle Franco in Rios Favelas - Bild von Mídla NINJA Flickr.com CC BY-SA 2.0
Die Menschenrechtsaktivistin wurde im Zentrum von Rio de Janeiro ermordet. Ihr Tod hat weltweit Empörung ausgelöst. Proteste in Rio de Janeiro, Lissabon und anderen Städten - ein Ruf nach Gerechtigkeit.

Von Noel Nascimento – 19. März 2018

Marielle Franco war eine von diesen Menschen, die diejenigen die das Glück hatten sie kennengelernt zu haben, mit ihrer lebendigen und fröhlichen Natur, sowie auch mit ihrer enormen Hilfsbereitschaft anderen Menschen gegenüber, Freude bereiten konnte. Sie war eine starke Frau die hinter ihrem zerbrechlichen Aussehen die Tapferkeit eines großen Herzens verbarg. Arm geboren, raffte sie sich zusammen um durch soziale Programme der ehemaligen sozialistischen Regierung Lulas studieren zu können und so wurde sie Soziologin und arbeitete anfangs im Büro für Menschenrechte der Stadt Rio de Janeiro. Sie wuchs selbst im Complexo da Maré, einer der ärmsten Favelas von Rio de Janeiro, auf, die man gleich nach Ankunft auf dem internationalen Flughafen von Rio Richtung Stadtmitte von der Straße sehen kann. Es ist ein überwältigender Anblick von Misere und Armut, ein Zeugnis des Hohns und des Spots einer der ungerechteren Gesellschaften der Welt - Brasilien.

Als Marielle mit ihrer undankbaren Arbeit anfing war sie mit aller Art von Gewaltverbrechen gegen Jugendliche, Kinder, Frauen, Zivilisten und Polizisten beschäftigt. Sie fuhr durch die große Stadt von einem Stadtteil zum anderen mit dem Bus, um bei Gerichtsverhandlungen zu sein, bei denen sie Menschen betreute. Die Mutter eines verstorbenen Polizisten erzählt, dass sie auch in der Verhandlung wegen dem Mord an ihren Sohn ihr zur Seite stand, als die Beweise in Richtung eines anderen Polizisten deuteten.

Vorwürfe die in Richtung derjenigen gehen, die gegen die Besatzung der Stadt von Rio de Janeiro sind, als wäre so ein Mord dazu geeignet die Handlung der Militärs zu demoralisieren, fallen mit so vielen solchen Äußerungen vollkommen flach. Marielle war eine Person die für alle da war und ihre Arbeit war für die Prinzessin aus Copacabana wie für die Prostituierte aus den ärmsten Bezirken am Stadtrand oder der Favelas allumfassend. Trotzdem lässt die Verleumdung einiger böswilligen Personen nicht nach und somit zieht der Hass seine Runden und zeigt wozu Menschen fähig sind.

Vor einigen Jahren wurde Marielle Franco in den Stadtrat von Rio de Janeiro mit fast 47.000 Stimmen gewählt. Nicht nur in den Armenvierteln hatte sie ihre Wählerschaft, sondern vorwiegend im südlichen Teil der Stadt. Solch eine Person kann nur Hass auf sich ziehen. Bei zwei Überfällen wurden am gleichen Tag zwei andere Personen ermordet und damit fanden die Böswilligen einen Vorwand um einen Text zu verbreiten, der auch im Internet Resonanz fand und der meinte, dass nur der Tod von Marielle wichtig war, weil sie eine schwarze Frau, und die zwei anderen Opfer Weiße waren.

In der Tat war ihre Arbeit für alle wichtig, da sie sich für eine bewusstere, besser ausgebildete Polizei einsetzte, die den Menschen besser zum Schutz dienen sollte und der Korruption wie auch der Gnadenlosigkeit entgegen tritt, weil diese umso mehr Kriminalität erzeugen.

In den letzten Monaten trat Marielle dem 41. Bataillon der Polizei entgegen, indem sie dessen Exekutionskommando in der Favela von Acari denunzierte. Nach der Militärbesatzung von Rio wurde das 41. Bataillon gewalttätiger. Ein Teil der brasilianischen Bürger vertritt die Auffassung, dass nur ein toter Verbrecher ein guter Verbrecher ist und befürwortet die Handlungsweisen eines solchen polizeilichen Vorgehens in den Großstädten. Wenn der Staat versagt darf er töten. Ein Problem, dass seit mehreren Jahrzehnten existiert, auf die Art und Weise stets behandelt und nicht gelöst wurde. Das 41. Bataillon tötete zuletzt zwei Jugendliche und verscharrte sie in einem Grab.

Ein Teil der brasilianischen Polizei verhandelt und kooperiert mit Verbrechern und mit der Drogenmafia. Es ist eine Wirklichkeit die alle Brasilianer kennen. Manche Polizisten bilden bezahlten private Milicias die zum Schutz gewisser Interessen dienen. Während in der Hauptstadt Brasilia Michel Temer, der Vampir, seine Freiheit wegen des Vorwurfs der Korruption mit Milliarden (Steuergelder) kaufte und der ehemalige Präsidentschaftskandidat der Sozialdemokraten (Neoliberalen) dessen privater Hubschrauber mit 500 KG Kokain erwischt wurde, unangetastet bleiben, werden die Jugendlichen getötet, denen nicht die Chance gegeben wurde ein Leben in Würde zu kennen, die Schule zu besuchen und richtig ernährt zu werden, sodas deren Hirnfunktionen nicht richtig arbeiten konnten. Die ärmste Bevölkerung gerät im Krieg zwischen Polizei und Verbrecherbanden; Sie ist Geisel des Grauens in einer Situation die sie nicht will und nicht selbst geschaffen hat. Sie muss das Ergreifen militärischer Kontrolle über ihr alltägliches Leben hinnehmen, als wäre sie allein für das Übel der Welt verantwortlich.

Sicher ist, dass der Mord von Marielle Franco niemals aufgeklärt wird. Es ist nicht zu erwarten, dass irgendein Mensch, sei es Polizei oder sonst wer, sich selbst oder seine Oberen untersucht...
Marsch für Marielle Franco 2018-03-15 - Bild von Romerito Pontes Flickr.com CC BY 2.0

Auch Anderson Gomes, der Fahrer von Marielle, kam bei dem Anschlag (Drive-by) ums Leben. Auch ihm unser gilt unser Respekt. 
Marielles 19-jährige Tochter Luyara und die Lebensgefährtin der mit vier Kopfschüssen exekutierte Menschenrechtsaktivistin Mônica Benício, trauern gemeinsam mit Millionen Menschen in Brasilien, Portugal und aller Welt.