US-Militärbasis auf den Azoren – 7 Jahrzehnte vergiftung von Mensch und Natur

Aeroporto_das_Lajes,_costa_Norte_da_ilha_Terceira,_Açores,_Portugal CC 0 Public Domain
Das US-Militär hat Stützpunkte in aller Welt. Die Azoren ermöglichten einen Zwischenstopp auf halben Weg nach Europa und waren daher extrem wichtig im kalten Krieg. Vor einigen Jahren begannen die Amerikaner mit dem Abzug von Personal und ein Verlassen des Stützpunkts scheint unausweichlich. Zeit Bilanz zu ziehen und wie bei jeder Vermietung muss der Mieter für die Schäden aufkommen. Das führt immer zum Streit, oder?

Von Rui Filipe Gutschmidt - 17. März 2018

Die Verseuchung des Bodens, der Wasserläufe und des umliegenden Meeres der Ilha Terceira, auf Grund jahrzehntelanger Nutzung der Militärbases „das Lajes“ durch die USA, hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die Inselbewohner und natürlich auch auf das Personal des Stützpunktes. Die portugiesische Zeitung „I“ hatte die Story als erste aufgegriffen, als ein ehemaliger ziviler Angestellter der Basis zum Whistleblower wurde.

Die Zeitung „SOL“ offenbarte, dass der zu diesem Thema im Auftrag der US-Regierung verfasste Bericht mehrere Stellen beschreibt, an denen eine Verseuchung mit Schwermetallen und Erdölderivaten festgestellt wurden. Portugals Regierung verweigerte dem Parlament des Landes einen Einblick in diesen Bericht, da dieser als Geheim eingestuft worden sei. Die Hinterlassenschaften eines Militärstützpunktes sind immer extrem toxisch und repräsentieren daher auch immer eine Gefahr für die Anwohner. Das wissen die Deutschen nur zu gut.


Auswirkungen auf die Bewohner

Félix Rodrigues, ein Professor der Azoren-Universität, sagte den Kollegen der „SOL“, dass sich die Krebsfälle in der Nähe des Stützpunkts häufen. „Es fehlt noch an eindeutigen Zusammenhängen, zwischen dem Mittelwert bei Krebsfällen auf den Azoren und dem Mittelwert bei Krebsfällen im Landkreis „Praia da Vitória“ (in dem die Basis liegt), in Relation zu den verseuchten Böden und Wasserläufen.“ So sagt Rodrigues weiter: „Sicher ist aber, dass die Unterschiede zwischen den durchschnittlichen Krebsfällen auf den Azoren und der durchschnittlichen Anzahl der Fälle in der Gemeinde Praia da Vitoria signifikant sind.“ So meint der Professor, dass Praia da Vitoria 8,5 Prozent der Gesamtbevölkerung der Azoren hat, jedoch 20 Prozent der Krebserkrankungen des Archipels in dem Landkreis registriert wurden.

Doch die Regionalregierung hat diese Zahlen angezweifelt und gab Statistiken bekannt, auf denen es keine Unterschiede zwischen der Insel „Ilha Terceira“ und dem Rest der Inselgruppe gibt. Dabei geht der Regierungssprecher aber nicht auf den Landkreis, sondern auf die ganze Insel ein. Dabei ist es nicht gesagt, ob das eine Rolle spielt oder nicht. Ob es überhaupt wichtig ist, wie hoch die Krebsrate unter der Bevölkerung im Umfeld des Stützpunktes ist? Die Betroffenen können nur in den seltensten Fällen einen Zusammenhang beweisen und in den meisten Fällen wird die Schuld zuallererst beim Lebenswandel der Patienten gesucht. Raucher, Alkoholiker, Übergewichtige und so weiter, haben keine Chance um irgendetwas zu beweisen.


Auswirkungen auf die Umwelt

Doch die Vergiftung des Grundwassers und der Böden durch Kerosin, Öl, Diesel, und andere Treibstoffe, sowie Sprengstoffe, Säuren und wer weiß was noch alles, ist FAKT. Durch ausgelaufenen Treibstoff und schlampig in die Landschaft gekipptes Altöl konterminierte Böden werden in den genannten Bericht der Amerikaner genauso erwähnt, wie in einem Schreiben des Nationalem Laboratoriums für Ingenieurswesen (LNEC). Es ist aber davon auszugehen, dass manche Stellen auch mit chemischen Kampfstoffen vergiftet, mit strahlenden Material radioaktiv verseucht oder sogar mit gefährlichen Biowaffen infizierte Versuchstiere, die einfach verscharrt wurden, zu potentiellen Gefahrenherden werden.

In den 50er und 60er Jahren gab es keinerlei Skrupel im Umgang mit der Natur. Es gab nur den Kalten Krieg, die Jagd auf die Kommunisten und eine US-Armee nebst NATO, die durch das Wettrüsten zu einem so lukrativen Geschäft wurde, dass Militär und Rüstungsindustrie regelrecht miteinander verschmolzen und Regierungen in aller Welt – allen voran in den USA – zu ihren Marionetten machten. Das kleine Portugal wird, wie so viele andere Staaten auch, auf einem Großteil der Schäden sitzen bleiben, jetzt wo die US-Streitkräfte das Verlassen der Insel erwägen. Doch wozu ist dann die Mitgliedschaft in der NATO? Eben! Für nichts und wieder nichts, außer vielleicht um Kanonenfutter in den Kriegen des Neoliberalismus zu liefern... NATO? Nein danke!