Vermögens- statt Einkommensteuer?

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Im heutigen System wird die Leistung des Einzelnen bestraft, die Hortung von Vermögen über Generationen hinweg jedoch belohnt. Ist es an der Zeit, das Steuersystem zu ändern?

Von Marco Maier – 13. März 2018

Das was wir im derzeit herrschenden Wirtschafts- und Finanzsystem erleben ist eine fortlaufende Umverteilung von der breiten Masse hin zu den Vermögenden. Also zu jenen Menschen bzw. Familien, die über Generationen hinweg ein Vermögen anhäuf(t)en, welches im Zuge der Kapitalakkumulation (und des Zinseszinses) immer weiter wächst. Das Ergebnis: Inzwischen gibt es bereits mehr als Tausend Milliardäre auf der Welt und manche von ihnen haben so ein enormes Vermögen angehäuft, dass sie auch einen starken politischen Einfluss ausüben (können).

Dem einfachen Arbeitnehmer bleibt jedoch aufgrund der hohen Steuer- und Abgabenlast kaum eine Möglichkeit, wirklich auch ein Basis-Vermögen aufzubauen – sofern er nicht eisern spart und ggf. mittels etwas Spekulationsglück (ob nun an der Börse, mit Kryptowährungen oder auch über die Lotterie) quasi das "große Los" zieht. Selbst das Eigenheim wird (eben auch infolge der enormen Kapitalkonzentration) zunehmend unfinanzierbar, da die Grundstücks- und Immobilienpreise schwindelerregende Höhen erreichen.

Dieses System sorgt dafür, dass aus dem laufenden Wirtschaftskreislauf ständig Geld abgezogen und als Anlagekapital verwendet wird, wodurch sich die Immobilien- und Börsenblasen ergeben, mit denen wir derzeit wieder einmal konfrontiert sind. Das Verhältnis zwischen (umlaufenden) Wirtschafts- und (gehortetem) Anlagekapital ist komplett verdreht, weil das wachsende investierte Kapital natürlich auch eine volumenmäßig entsprechend wachsende Rendite verlangt. Bis es dann schlussendlich zu einem Wirtschaftskollaps kommt, weil die laufende Wirtschaft die Renditeerwartungen infolge des ständigen Kapitalabzugs nicht mehr bedienen kann.

Als Lösung bleibt – auch hier vereinfacht gesagt – eigentlich nur eine Umgestaltung des Steuer- und Abgabensystems. Leistung, Risikobereitschaft, Wissen und Können müssen sich einfach wieder lohnen. Das heißt: Sämtliche Steuern auf Einkommen und Gewinne müssen gestrichen werden. Im Gegenzug werden Vermögens- bzw. Besitzsteuern eingeführt.

Als Beispiel:

Die erste Immobilie (Haus/Wohnung plus Grundstück) auf den eigenen Namen wird mit einem Satz von 0,5 Prozent im Jahr (alle 5 Jahre erfolgt eine Neubewertung auf Marktbasis) besteuert. Die nächsten 2 Immobilien mit jeweils einem Prozent, jede weitere Immobilie mit 1,5 Prozent. Eine Immobilie mit einem Marktwert von 300.000 Euro würde dann im Falle des einfachen "Häuslebauers" mit 1.500 Euro pro Jahr zu Buche schlagen. Für landwirtschaftlich genutzten Grund wäre zum Beispiel ein pauschaler Satz von 0,25 bis 0,5 Prozent möglich. Nimmt man jetzt die Zahlen von 2016 her, wonach die deutschen Haushalte plus private Organisationen ohne Erwerbszweck insgesamt 2.718 Milliarden Euro an Grund und Boden besaßen und man von im Schnitt 0,75 Prozent Steuerbelastung ausgeht, wären das rund 20 Milliarden Euro für die Staatskasse.

Beim Geldvermögen (2016 immerhin 5.765 Milliarden Euro), welches Bargeld, Geldeinlagen bei Banken, Versicherungsansprüche, Aktien und festverzinsliche Wertpapiere umfasst, wären (abzüglich der rund 1.000 Milliarden Euro beim Bargeld) bei einem Steuersatz von 2,5 Prozent pro Jahr (basierend auf Durchschnittswerten) auch etwa 110-120 Milliarden Euro an Steuereinnahmen drin. Besteuert man nun das Anlagevermögen (2016 immerhin rund 4,9 Billionen Euro) pauschal mit 1,5 Prozent im Jahr, wären weitere 70 bis 75 Milliarden Euro möglich. Insgesamt, so rein von der Basisbesteuerung, beliefen sich die Staatseinnahmen im Beispiel Deutschlands auf rund 200-210 Milliarden Euro.

Nimmt man nun auch noch die Erbschaften und Schenkungen her, welche insbesondere bei den Vermögenden ein bestimmender Faktor zur Absicherung von Macht und Einfluss darstellen, gibt es den letzten größeren Aspekt einer sozial gerechten Steuerreform. Denn: jährlich werden laut einer Studie rund 400 Milliarden Euro vererbt. Will man dort regulierend eingreifen, müsste man eine stark progressive Erbschaftsteuer auf das zu vererbende Vermögen einführen: Bis 100.000 Euro steuerfrei, bis 250.000 Euro dann fünf Prozent, bis 500.000 Euro dann 7,5 Prozent, bis 750.000 Euro 10 Prozent, bis eine Million Euro 15 Prozent, bis zwei Millionen Euro 20 Prozent, bis fünf Millionen Euro 25 Prozent und alles darüber dann mit 35 Prozent. Geht man von im Schnitt auch nur von 15 Prozent aus, welche eingenommen werden, wären das immerhin rund 60 Milliarden Euro.

Nimmt man das Gesamtvolumen der vermögensbezogenen Steuern her, wäre es problemlos möglich, sämtliche Lohn- und Einkommensteuern zu streichen. Wer ein Häuschen hat, dazu ein paar Ersparnisse auf der Bank und vielleicht noch Versicherungsansprüche, kommt damit wohl recht gut davon. Wer jedoch damit beginnt zu horten, wird dafür etwas tiefer in die Tasche greifen müssen. Und selbst die Erben von kleineren und mittleren Familienunternehmen müssen sich eigentlich keine Sorgen hinsichtlich der Erbschaftsteuer machen, zumal die Sätze moderat sind und im Gegenzug auch vom ausgeschütteten Gewinn deutlich mehr übrig bleibt.