Die dunklen Geschäfte mit der Säuglingsnahrung

Babynahrung CC BY 2.0

Nach Ansicht von Wissenschaftlern ist die Gesundheit von Hunderttausenden von Kindern durch die Aufnahme von Muttermilchersatz gefährdet. Das interessiert wohl kaum die Unternehmen wie Danone und Néstle, die durch den gezielten Verkauf an Entwicklungsländer Milliardengeschäfte einstreichen

Edgar Schülter - 18. Mai 2018

Mittlerweile gilt die Verwendung von Muttermilchersatz in armen Ländern als Status Symbol für sozialen Aufstieg. Zum Beispiel werden in Kamerun Säuglinge nur noch vier Monate gestillt, danach gibt es Nahrung aus der Dose.

Die Marketingfalle der Lebensmittelgiganten schnappt voll zu. Nicht umsonst werden zwei mal im Monat Vertreter geschickt die alle „Vorzüge“ der Ersatzmilch bei den Stillenden Müttern anpreisen. Da gibt es auch reichlich Probegeschenke und andere Werbemittel. Die Verabreichung der künstlichen Produkte hat aber auch seine negativen Folgen. Das zeigt sich gerade in Kamerun wo viele Kinder chronisch mangelernährt sind. Ihr ganzer Wachstum und ihre Entwicklung ist verzögert. Eines der Gründe ist mangelnde Hygiene oder Kühlmöglichkeiten. Gerade unter solchen Bedingungen ist der angemischte Muttermilchersatz ein Auslöser von Durchfallerkrankungen und eines der häufigsten Todesursachen der Kinder, was diese Geschäfte nur noch zynischer macht.

Die Unternehmen ignorieren den Internationalen Kodex der WHO

Der internationale Kodex der WHO entstand gerade um die Kinder zu schützen. Er besagt, dass Schwangeren und jungen Müttern keine kostenlosen Proben gegeben werden dürfen. Es darf auch keine öffentliche Werbung der Produkte geben. Nur hält sich von den großen Muttermilchersatzherstellern keiner daran.

Warum auch, bei so einen lukrativem Geschäft mit einer Gewinnmarge von 23 Prozent für Marktführer Néstle ist es verlockend alle Moral und Ethik zur Seite zu legen. Weltweit dürfte der Markt um 58 Milliarden Dollar wachsen.

Folgende waren die zur Kenntnis genommen Verstöße gegen den Milchkodex der WHO:

Krankenhauspersonal und Apotheken bekommen von Herstellern Geld, Geschenke oder technische Hilfe, damit sie Muttermilch-Ersatzprodukte empfehlen.
  • Vertreter von Konzernen besuchen regelmäßig Gesundheitsstationen und bewerben ihre Produkte.
  • In Anzeigen und Plakaten werben Hersteller mit falschen Gesundheitsversprechen.
  • Die Verpackungsaufdrucke und die Gebrauchsanweisungen sind nicht in der Landessprache verfasst.
  • In Arztpraxen legen Hersteller Werbegeschenke wie Stifte oder Notizblöcke mit Logos ihrer Produkte aus.
  • In Indien soll Geld an Ärzte geflossen sein, Medizinern im Irak seien Belohnungen wie Laptops oder Stipendien gegeben worden.
Das Marketingkonzept scheint leider voll zu wirken. In allen untersuchten Ländern bei denen die Sterblichkeit durch Mangelernährung von Kindern unter 5 Jahren sehr hoch ist, geben die jungen Mütter zu, dass Sie von Gesundheitshelfern zur Säuglingsnahrung geraten worden seien.