Mehr Arbeiter arbeitslos trotz weniger Insolvenzen

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Die Insolvenzen nehmen zur Zeit ab. Es trifft jedoch größere Unternehmen und insbesondere zwei Branchen. Mehr Mitarbeiter müssen um ihren Job fürchten.

Edgar Schülter 28. Juni 2018

Seit Jahresbeginn traf es der Wirtschaftsauskunft der Creditreform zufolge 120.000 Beschäftigte. Eine Steigerung um 19.000 Angestellte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dabei sank die Anzahl der Insolvenzen um 3,3 Prozent auf 9.900.

Immer mehr mittelständische und größere Unternehmen sind von Pleiten betroffen. Dadurch steigt die Anzahl von Mitarbeitern die ihren Job verlieren. Während vergleichsweise die Anzahl der Pleiten bei Kleinunternehmen zurückgeht, erhöhte sich die Anzahl der Insolvenzen gerade bei den Großunternehmen mit Jahresumsätzen von über 50 Millionen Euro um 66,7 Prozent.

Als Ursache dieser Zuname an Insolvenzen macht Creditreform-Sprecher Michael Bretz fehlende Digitalisierung bei älteren und etablierten Unternehmen Verantwortlich: "Da können Unternehmen die aktuelle Entwicklung nicht mitmachen", sagte er. Peter Kranzusch vom Institut der Mittelstandsforschung weist dagegen auf einen niedriges Insolvenzrisiko für familiengeführte Mittelstandsunternehmen hin.

Neben dem Baugewerbe verzeichnete der Handel mit einer Insolvenzquote von 71 zu 10.000 Unternehmen die meisten Pleiten. Mit einen Anteil von 21,8 Prozent an den Gesamtinsolvenzen wurde jeder fünfte Händler davon betroffen.

Ein Hauptgrund dafür ist gerade der Online-Handel, der voraussichtlich einen Wachstum im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten hat. Dagegen wächst der Einzelhandel nur noch zwei Prozent bis ende 2018.

Durch den Fortschritt der Digitalisierung und der Zuname der Robotisierung, sprich Vollautomatisierung, wird sich das Gesamtbild der Wirtschaft völlig ändern. Dabei ist auf die Gefahr zu achten, dass die rapide Entwicklung der neuen Technologien nicht rechtzeitig umgesetzt werden kann. Die Unternehmen sind somit alle aufgefordert rechtzeitig zu investieren und sich umzustellen, will man die Anzahl zukünftiger Insolvenzen verringern. Gerade in einem Industrieland wie Deutschland scheint die Digitalisierung im Vergleich zu anderen Ländern nur sehr träge voranzugehen.