Sind die Europäer an allem schuld?

Image taken from page 541 of 'Deutschlands Kolonien, ihre Gestaltung, Einwickelung und Hilfsquellen' - Flickr.com CC BY 2.0


Die Bevölkerung Europas lebt zwischen Gewissensleiden und neuem Bewusstsein.

Noel Nascimento – 22. Juli 2018

Durch die Ethik, die mit der Aufklärung hoch kam, setzte sich langsam mit dem schwierigen Verlauf der europäischen Geschichte ein Bewusstsein der moralischen Verantwortung die die Herrschenden gegenüber der Welt und der Umwelt tragen müssen durch. Es geschah alles nicht ohne große Irrtümer, Fehler und Tragödien des Verständnisses. Jedoch änderten diese Geschehnisse allmählich im Bewusstsein vieler Menschen, die Haltung die sie gerne von ihren Politiker gegenüber anderen Ländern und Völkern hätten. Das entwickelte sich nicht rasch, sondern langsam und durch schwere Fehler, die den Ländern und Völkern Europas selbst großes Leid brachte. Es waren nicht die Politiker, sondern die normalen gewöhnlichen Menschen, die das meiste Leid ertragen mussten und dieses Bewusstsein durch den Einfluss der Medien, Literatur und Philosophie entwickelten. Es geht in der Tat um eine Verantwortung gegenüber der Welt, die sich inzwischen in einem großen Teil der europäischen Bevölkerung verankerte.

Die Europäer kolonisierten Länder rund um den Globus, machten sich einiges zu Nutzen. In Afrika, teilte man fast den ganzen Kontinent nach eigenen Maßstäben und schuf dadurch andere Streitigkeiten als die die schon zuvor existierten. Die Europäer waren keine Heiligen. Auch schon untereinander hat man furchtbare Kriege geführt. Zuerst waren es die Römer, dann das zusammengebrochene Reich, dass sich teilte und dann kam das schreckliche Mittelalter, dann Inquisition und christliche Religionskriege. Die Unterwerfung der großen Kulturen Amerikas, wie die Azteken, die Inkas und andere indigene Kulturen durch Spanien und durch England in Nordamerika hat ganzen Völkern und Kulturen die Existenz gekostet.

Waren jedoch Europäer und die Völker Europas wirklich an allem schuld was übles in der Welt geschah? Die Antwort ist eindeutig nein.

Erstmals denkt man an die Eroberung der Iberische Halbinsel durch die Umayyaden. Darauf und als Reaktion erfolgten die heute so stark diffamierten Kreuzzüge. Die versperrten Wege nach Jerusalem waren ein Grund, und deswegen war die Seefahrt über den Süden Portugals ein gefährliches Unterfangen.

Dies alles wiegt den Europäer heute noch als Gewicht eines schweren Gewissens im Hinterkopf. Muss das sein?

Hauptpunkt ist, man hat ein Bewusstsein des Friedens und der Verantwortung entwickelt. Schuldgefühle sind was anderes. Damit spielen auch mal sehr unterschiedliche Interessen die der Macht verschiedener Gruppierungen dienen.

Denn, anders herum gesehen...

Die Hochkulturen Mexikos, Guatemalas, Perus und Boliviens gingen auch nicht nur durch die spanische Invasion runter. Die Stadt Machu Pichu wurde aus unbekannten Gründen von ihrer Bevölkerung schon Jahrhunderte vor der Ankunft der Spanier verlassen, und einige andere Städte weisen durch archäologische Funde darauf hin, dass es kriegerische Handlungen gab, die heute sogar durch Entzifferung mancher Schriften beweisen, dass auch im amerikanischen Kontinent Reiche nur dadurch größer wurden, dass sie andere besiegten um über sie zu herrschen.

Die Indios aus den Urwälder Brasiliens waren zu 70% Kannibalen. Sie glaubten daran, dass wenn sie einen tapferen Feind gegessen hatten, dass sie damit seinen mutigen Geist in sich aufnehmen.

Die Sklaven aus Afrika wurden sicherlich nicht freiwillig über den Atlantik verschifft, aber sie wurden zuerst von anderen Stämmen gefangen genommen. Die Portugiesen und die englischen Sklavenhändler gingen nicht in den Wald hinein um sie zu fangen. Sie warteten nur auf das "Cargo" (die Ware) im Hafen.

Nehmen wir die Ägypter? Ein riesen Reich das ganz Nordafrika beherrsche, und etwa 4000 Jahre gedauert hat. Wie wurden die Pyramiden, Tempel und Paläste gebaut? Höchst wahrscheinlich von Sklaven. Man kann nicht wissen wie viele dafür furchtbar gelitten haben, Folter, Peitsche waren die übliche „Ermunterung“ und viele wurden beim Bau der großen Monumente unter riesen Steinblöcke zerquetsch, wie Unkraut. Die Ägypter waren keine "weißen" Europäer. Sie fanden ihr Ende durch die Römer und, wie bekannt, durch das frühe Christentum, und danach fiel ihre Kultur in fast vollkommene Vergessenheit. Viele Monumente, Grabstädten und sogar Pyramiden wurden von Räubern geplündert.

Und dann, viele Jahre später, überfiel der böse Napoleon Ägypten, und mit ihm in seiner Grand Armée war Champollion, der Sprachwissenschaftler der sich der Hieroglyphen annahm, diese entzifferte und dadurch sich verewigte. Die französische Armée schleppte Unmengen an Statuen und Kulturdenkmäler nach Frankreich mit, die heute noch im Pariser Louvre zu besichtigen sind. Das Resultat davon ist dass dadurch die Ägypter darauf aufmerksam gemacht wurden, wie wertvoll ihre Kulturdenkmäler waren. Gleich danach kamen dann die Engländer und gründeten das Museum von Kairo.

Auch die Assyrer und andere gewaltige Imperien waren nicht europäisch, wie das der Chinesen, Perser, usw.

Das alles rechtfertigt nicht vieles, aber den Tatsachen muss man auch in die Augen schauen. Es geht um das Tier namens Mensch.

In der heutigen Welt wissen viele von uns über die Mechanismen Bescheid, die das Weiterführen von Kriegen verursachen, wie die geopolitischen Interessen unserer modernen Gesellschaft, die uns in viel komplizierteren Verfahren beherrschen. Sie sind nicht anders als vor vielen Jahrhunderten, nur wesentlich verstrickter als damals. Jedoch waren zu der Zeit alle wesentlich unwissender, zur übergroßen Mehrheit Analphabeten und dumm. Es mag wohl heute ein wenig anders sein. Das langsame Entstehen eines Weltbewusstseins kann uns zu Veränderungen führen die, wenn wir es schaffen sollten, eine Mehrheit zu stellen, ein besseres Leben bescheren könnten. Die Hindernisse sind jedoch enorm und die Möglichkeiten der Selbstzerstörung sind immerhin eine der großen Wahrscheinlichkeiten.

Europa war zivilisatorisch und trug zu unentbehrlichen Entwicklungen bei und so muss man es stets sehen. Jedoch waren praktisch alle Kulturen die es bisher gegeben hat für eine Entwicklung die nicht Schmerzlos und um so weniger ohne Fehler waren, verantwortlich. Alle diese Kulturen hatten im gewissen Umfang eine interaktive Beziehung zueinander, die sich in unserem Unterbewusstsein verankerte. Wir alle haben von fast allem was und das Untergehen des Westens sowie die Rückkehr zu alten Bräuchen, wie Religionen kann genau so viel Zerstörung bedeuten wie das Gegenteil, wenn nur die wenigen kulturellen Einflüsse davon, die es gab, zugunsten der Überwindung dieser mittelalterlichen phantasierenden Ideen zu einer neuen Weltethik führt, die auch wirtschaftliche Interessen besiegen kann.

Bildquelle: