Geschichte erleben und daraus lernen - Mittelalterfest in Santa Maria da Feira/Portugal

Aufführung vor der Burg von Santa Maria da Feira - Bild von Rui Gutschmidt ©


Jedes Jahr findet in meinem Wohnort, S.M. Feira, eines der größten Mittelalterfeste Europas statt. In unzähligen Aufführungen und Events wird das Leben im mittelalterlichen Feira nachgestellt wobei die Burg, die Kirchen und die Altstadt eine wunderbare Kulisse an diesen 10 bis 12 Tagen bieten. Der etwas nachdenkliche Besucher kann versuchen sich in diese Zeit zurückzuversetzen und kann dann überlegen, in wie weit wir uns entwickelt haben... oder auch nicht.

Rui Filipe Gutschmidt – 1. August 2018

Jahr für Jahr kommen mehr Menschen zur ”Viagem Mediaval”, die Reise ins Mittelalter, die schon seit über zwei Jahrzehnten stattfindet und dem kleinen Städtchen einen waren Geldsegen beschert. Auch 2018 wird wieder ein großer Ansturm erwartet, wobei die meisten einfach nur eine gute Zeit verbringen wollen. Halbe Schweine am Spieß, typische Wurst und Fleischteller mit Brot, dazu gibt es Wein oder Fruchtsaft. Auch die Marktstände verkaufen nur Dinge die es im Mittelalter auch schon gab und mit allen Verkäufern, Schauspielern, freiwilligen Helfern, Figuranten und selbst vielen Besuchern in zeitgenössischer Kleidung, bekommt die Veranstaltung auch die entsprechende Authentizität.

So wiederholt sich das Event Jahr um Jahr, auch wenn jedesmal eine andere Periode der portugiesischen Geschichte thematisiert wird. Doch im Grunde genommen ist es eher egal, welche Zeitspanne genau unter die Lupe genommen wird. Das Mittelalter zeichnet sich dadurch ab, dass die Menschheit – vor allem in Europa – einen Stillstand in seiner Entwicklung verzeichnete. Im Vergleich zu dem Wissen der Antike handelte es sich sogar um einen großen Rückschritt. Architektur, Künste und Wissenschaften wurden vergessen oder schlimmer noch, verboten, zerstört, verbrannt.
"Viagem Mediaval" Mittelalterfest in Santa Maria da Feira - Bild von Rui Gutschmidt ©

Diejenigen, die nicht gewillt sind aus den Fehlern der Geschichte zu lernen, sind dazu verdammt diese zu wiederholen!“

Das Christentum hat die Philosophen und Gelehrten der Antike zwar erhalten, aber nur ganz wenigen wurde die Lektüre der Klassiker zugänglich gemacht. Außer dem Klerus gab es nur ganz wenige die überhaupt lesen und schreiben konnten. Das Lehren war der Kirche vorbehalten. Eine solche Machtkonzentration ist heute nur schwer vorstellbar. Oder etwa doch nicht?

Wir haben ein ähnliches „Bildungsmodell“ in einigen muslimischen Ländern. Dabei ist die Armut ein ausschlaggebender Faktor, denn in vielen Ländern ist Schule nicht kostenlos. So müssen die Kinder in die Madrasse, die Koranschule. Dummerweise lernen sie da noch weniger wie die christlichen Schüler im Mittelalter. Sie lernen Lesen, Schreiben, Arabisch und verbringen viele Stunden damit den Koran zu rezitieren. Das typische auf und ab wippen im Schneidersitz versetzt die Kinder in eine Art Trance, was einen Effekt der Gehirnwäsche auf die Jungen hat. Mädchen wird meistens selbst diese „Bildung“ - eher Verblendung – versagt. In dem Fall vielleicht auch besser so.

Eltern, die nicht genug zu Essen für ihre Kinder haben („gehet hin und mehret euch“ haben alle abrahamitische Religionen gemeinsam), geben ihre Kinder auch deshalb in die Religionsschulen, weil sie dort ernährt werden. Wer jetzt glaubt, dass die Madrassen eine „soziale Einrichtung“ sind, der irrt gewaltig. Nun ja, hier muss man natürlich relativieren. Nicht alle Koranschulen sind gleich. Einige wollen „nur“ den Kindern den Koran eintrichtern, wobei manche sogar recht liberal sind und sogar eigenes, begrenztes, Denken zulassen.

Doch in Ländern und Regionen mit bewaffneten Konflikten und starkem Einfluss radikal-fundamentalistischer Gruppierungen, wie dem Gazastreifen (Hamas), dem Südlibanon (Hisbollah), dem Swat-Tal in Pakistan und großen Teilen Afghanistans (Taliban) und viele andere mehr, dienen die Madrassen der Radikalisierung zukünftiger Kämpfer, Attentäter und – manchmal noch als Kinder – Selbstmordattentäter. Eine effiziente Form für ständigen Nachschub an Kanonenfutter zu sorgen.
Nach der Schlacht...
"Viagem Mediaval" Mittelalterfest in Santa Maria da Feira - Bild von Rui Gutschmidt ©


Desweiteren gibt es da eine mindestens ebenso perverse Form der „Koranschule“, bei denen die Kinder neben dem rezitieren und auswendig  lernen von Suren, für die Schule arbeiten oder betteln müssen. Hier meine ich nicht den Boden der Schule putzen oder das Essen zuzubereiten, sondern Sklavenarbeit aller Art. Manche „verleihen“ die Kinder an Fabriken oder Handwerker und auch Plantagenbesitzer bezahlen die Schule, um sich ein paar Sklaven für die Erntezeit auszuborgen. Die Kinder zu schlagen ist auch völlig normal, selbst in den „echten“ Koranschulen.

Aber kommen wir zurück auf unsere „Zeitreise ins Mittelalter“ und bevor wir jetzt von oben herab auf die Menschen blicken und ihnen Rückständigkeit vorwerfen, sollten wir doch noch mal einen Blick auf unsere eigene Vergangenheit werfen. Von Kreuzrittern umgeben, den Geruch von gebratenem Fleisch in der Nase und mit mittelalterlicher Musik im Hintergrund, lässt es sich gut über das Leben der eigenen Vorfahren nachdenken. Dabei sind nicht einmal viele Geschichtskenntnisse nötig um zu sehen, dass vor nicht allzu langer Zeit „wir“, Europas Christen, die Rückständigen waren.

Denn der frühe Islam eroberte Zentren des Wissens von Indien bis zur Iberischen Halbinsel, dem Norden Afrikas, den Steppen Mittelasiens und den Gewürzinseln. In Städten wie Alexandria, Damaskus, Bagdad und natürlich auch Granada schufen sie Orte der Kunst, Philosophie und Wissenschaften, wobei gerade in der Medizin große Fortschritte gemacht wurden. In Mitteleuropa war der Aberglaube für das langsame und grausame sterben von Millionen Menschen verantwortlich. Kräuterfrauen wurden gefoltert und schließlich als Hexen auf dem Scheiterhaufen verbrand.
Ibn Alhazen - Flickr.com CC BY 2.0

So eine Reflexion ist immer ein Aha-Erlebnis. Unsere Volkszertreter sollten es mal versuchen.

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