Irland hält Referendum über Verfassungszusatz zur Abtreibung ab

Podiumsdiskussion auch in Deutschland - Bild von Heinrich-Böll-Stiftung Flickr.com CC BY-SA 2.0


Der 25. Mai 2018 ist ein wichtiger Tag für die Rechte der Frauen in der Republik Irland. Der umstrittene achte Verfassungszusatz wird auf den Prüfstand eines Referendums gestellt. 1983 wurde dadurch das Recht auf Leben von Mutter und ungeborenem Kind auf die gleiche Stufe gestellt. In der Praxis kommt dies einem ausnahmslosen Abtreibungsverbot gleich.
Rui Filipe Gutschmidt - 25. Mai 2018

Die Wahlberechtigten Iren werden diesen Freitag über die Beibehaltung oder die Abschaffung des achten Verfassungszusatzes abstimmen. Dieser besagt, dass der Fötus und die werdende Mutter das selbe Recht auf Leben haben. In der Praxis heißt das für eine schwangere Frau, die eine „Problemschwangerschaft“ durchläuft, dass ihre Gesundheit, ja ihr Leben an sich, nichts Wert ist, solange sie ein Kind in sich trägt. Das äußerst konservative Land, hat damit eine der strengsten und radikalsten Regelungen zum Thema Abtreibung weltweit, was nicht selten zu extremen gesundheitlichen Problemen führt.

Diagnostizierte Missbildungen, Erbkrankheiten, das Wissen um eine sehr geringe Überlebensmöglichkeit oder Vergewaltigung, werden nicht als Abtreibungsgrund anerkannt. Als beispielsweise 1992 ein Gerichtsurteil einem 14-jährigen, suizidgefährdetem Vergewaltigungsopfer verbot, für eine Abtreibung nach England zu fliegen, hob das oberste Gericht dieses Verbot wieder auf. Seither fliegen, Schätzungen zufolge, etwa 3.000 irische Frauen nach England. Die Kosten dafür können zwischen 400 und 2.000 Pfund liegen und oftmals werden die betroffenen Frauen öffentlich bloßgestellt, beschimpft und beleidigt.

Sie (die radikalen Abtreibungsgegner) erwarten uns schon. Sie wissen genau, dass die irischen Frauen meist über das Wochenende kommen. Dann stehen sie vor der Klinik mit ihren Handys, machen Fotos und beschimpfen uns als Kindermörder, gottlose Huren, Dienerinnen des Teufels... Diese Frauen haben keine Ahnung was wir durchmachen, schreien uns ihren unermesslichen Hass aus einer abgehobenen Position entgegen und veröffentlichen unsere Fotos auf ihren Webseiten! Wie kommen sie dazu, anderen ihre Moralstandards aufzwingen zu wollen? Es ist MEIN Körper, MEINE Schmerzen, MEIN Leiden!“, berichtete eine Frau, die diese Reise schon zum dritten mal machte und neben den zwei gesunden Kindern nicht die Familie mit einem schwerkranken Kind belasten will.

Doch was auch immer der Grund sein mag, eine Abtreibung ist NIE eine leichte Entscheidung. Zur Zeit ist die Entscheidungsfreiheit von Irlands Frauen eine
Frage des Geldes. Das streng katholische Land hat also eine Doppelmoral, die zu denken gibt. Wie werden die Iren abstimmen? Nach der Auszählung der Stimmen, wissen wir mehr...