Sexuelle Belästigung ist kein normales Verhalten

No to sexual harassment - Pixabay.com CC 0 Public Domain


Bei Portugals Jugend, wie auch bei vielen anderen Jugendlichen weltweit, gelten befummeln oder plumpe Anmach-Sprüche als völlig normal oder sogar als cool. Viele haben häusliche Gewalt als tägliches Vorbild und bringen dieses Verhalten mit in ihre Beziehungen. Das Motto „lieber mit einem Brutalo-Macho, als alleine“ ist dabei nicht hilfreich.

Rui Filipe Gutschmidt – 21. Mai 2018

Die Beziehungen, seien es die klassischen Partnerschaften zwischen Mann und Frau, seien es romantische Beziehungen aller Art, die in einer offenen Gesellschaft wie der unseren (Europa), den selben Respekt verdienen und den selben Verhaltensregeln unterliegen, als die sogenannten klassischen Beziehungen, haben heute einen zentralen Stellenwert bei unserer Jugend.

Sexuelle Belästigung ist daher, schon der Kinderschänder wegen und weil unsere Kinder von Anfang an mit dem Thema konfrontiert werden müssen, um Pädophilen nicht in die Falle zu gehen, ein zentraler Punkt in der Erziehung. Das heißt, es sollte ein zentraler Punkt in der Kindererziehung sein, doch leider werden Kinder heute nicht mehr richtig erzogen. Elternhaus, Schule, Medien oder staatliche Stellen, sie alle schieben sich die Verantwortung gegenseitig zu.

Kinder zu erziehen wird tatsächlich immer schwerer, da die Eltern, Großeltern oder andere Erziehungsberechtigte arbeiten müssen, keine Zeit und keine Kraft haben. Außerdem haben wir auf der anderen Seite immer weniger Staat, da sich dieser im neoliberalen Gesellschaftsbild aus allem herauszuhalten hat. Selbst Kindergärten und Schulen werden kaputtgespart und dadurch wird unser Nachwuchs mit all seinen Fragen über das verwirrende Erwachsenwerden allein gelassen.

Assédio não é sedução - Foto vom Flyer by Rui Gutschmidt

Aber nicht ganz. Die Straße, die Freunde, was man im TV sieht und natürlich... das Internet, übernehmen die „Aufklärung“ und alles was die Teens so beschäftigt. Jede Menge Gefahren birgt diese Form der Informationswiedergabe und nur all zu oft wird ein falsches Bild von Liebesbeziehungen vermittelt, dass dann von den Jugendlichen übernommen wird.

Gewalt in einer Beziehung wird gerade in dem von Machismus geprägten Südeuropa als völlig normal angesehen, weil in vielen Filmen, Pornos und auch in TV-Serien ein solch verschrobenes Bild gezeigt wird. Auch wenn man bei den „Big-Brother“ und ähnlichen Reality TV Programmen offiziell die Gewalt verurteilt, so wird sie doch als etwas „alltägliches“ und als „Teil unserer Kultur“ gezeigt. Andererseits haben die in Hollywood gestarteten Kampagnen, die inzwischen um die ganze Welt gehen, fast schon einen gegenteiligen Effekt auf die ganze Form der Partnersuche.

Inzwischen traut man sich in manchen Kreisen nichts mehr zu sagen, da ein Augenzwinkern, ein Kompliment oder auch eine Berührung schnell als sexuelle Belästigung interpretiert werden kann. Die tatsächliche Belästigung, die – meistens, aber bei weiten nicht nur - Frauen betrifft, ist aber nicht so leicht zu erkennen. Meistens ist es die Aggressivität, mit der eine Annäherung stattfindet, die den Unterschied ausmacht.

Der Bloco Esquerda, Portugals Linkspartei, hat an den Schulen Flyer verteilt, um den Schülern diesen Unterschied aufzuzeigen. Lehrer und Schüler berichteten von einem besonderen Tag in ihrer Schule. Man hat das Thema diskutiert, ohne Tabus und manches Missverständnis aufgedeckt. „Ich dachte, dass ihr das so wollt“ oder „wenn ich nicht aggressiv bin, gelte ich doch gleich als Softy oder als die Mädels denken ich sei schwul...“. Diese Mythen können nur bestehen, weil das Thema noch immer tabuisiert wird.

Die Schulen, besser als die Eltern, die oft selbst mit Vorurteilen behaftet sind und mit ihren Kindern am liebsten nie über Sex, Liebesbeziehungen und ähnlichem reden würden, können das Thema durchaus mal miteinbeziehen. Bei all dem Leistungsdruck, sollten die Lehrer ihren Schülern öfter mal moralische Grundsätze aufzeigen, und sie dabei auch diskutieren lassen. Das die Schüler bei der Meinungsbildung aktiv mitbestimmen sollten. Wenn man weiß, wie sich der andere fühlt, dann ich man vorsichtiger mit Worten und Handlungen.

Flyer gegen sexuelle Belästigung - Foto by Rui Gutschmidt