Washington verliert seine Alliierten

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Aufgrund der nationalistischen und protektionistischen Politik der neokonservativen US-Führung wenden sich immer mehr Alliierte von Washington ab und richten sich außenpolitisch neu aus. Die Türkei und Japan sind bereits als nächste Kandidaten gesetzt.

Von Marco Maier

Es ist ein schleichender Wandel, der sich derzeit vollzieht. Allerdings ist es einer, der sich stark auf die geopolitischen Einflussmöglichkeiten Washingtons auswirkt. Denn die Alliierten der Vereinigten Staaten von Amerika wenden sich angesichts der nationalistischen und protektionistischen Politik der neokonservativen Administration von Präsident Trump allmählich von Washington ab.

Ließen die vorherigen Administrationen die Alliierten zumindest noch einigermaßen im Glauben, dass sie auch noch irgendwie ein Mitspracherecht hätten, geht die jetztige US-Führung ziemlich harsch mit ihnen um. Beim US-Rückzug aus dem Iran-Deal verprellte man die Europäer, beim Nordkorea-Treffen die engsten asiatischen Alliierten Japan und Südkorea und mit der offenen Unterstützung der kurdischen Milizen in Syrien den NATO-Partner Türkei, den man schon zuvor in Sachen Juli-Putschversuch und Gülen ins Eck stellte.

Kein Wunder also, dass sich das globale politische Umfeld langsam aber sicher zuungunsten Washingtons verschiebt. Oder ist sonst noch niemandem aufgefallen, dass sich beispielsweise gerade die Türkei und Japan zunehmend Russland und China annähern? Auch scheint Ankara beispielsweise recht gute Beziehungen zu Teheran zu besitzen. Von den S-400-Käufen ganz zu schweigen, was auch zusammen mit russischen Kampfjets zu einer größeren Unabhängigkeit gegenüber der US-Militärtechnologie führt.

Damit jedoch verlieren die Amerikaner strategisch wichtige Partner im Nahen Osten und in Ostasien. Beides Gebiete, die trotz des aktuellen Kurses Washingtons weiterhin im Fokus des US-Regimes stehen. Russland und China hingegen können ihren Einfluss in diesen Regionen ausweiten und so sukzessive zu den Hauptmächten des eurasischen Doppelkontinents avancieren – auch weil die Europäer sich immer noch lieber in transatlantischer Rektalakrobatik üben, anstatt eine eigenständige Politik zu gestalten und so eben gemeinsam mit den Russen und Chinesen zu einer konstruktiven und gestaltenden Kraft zu werden, welche von Lissabon bis Wladiwostok und vom Arktischen Eismeer bis zum Indischen Ozean eine neue multipolare Ordnung etablieren, in der Kooperation statt Konkurrenz das Geschehen dominiert.

Aber zumindest teilweise beginnen sich die Europäer bereits gegen die US-Dominanz zu wehren. Die EU-Armee (Pesco) soll zwar offiziell "nur" eine Parallelstruktur zur NATO darstellen, doch was, wenn sich die Franzosen erneut aus dem transatlantischen Militärbündnis zurückziehen, wie sie es schon einmal taten? Bis auf einige Osteuropäer, die weiterhin auf Russophobie setzen, scheinen in vielen anderen europäischen NATO-Ländern die Skeptiker immer stärker zu werden. Ob das ausreicht, die militaristische Politik gegenüber Russland zu beenden, darf allerdings bezweifelt werden. Auch wenn die Europäer dadurch schlussendlich alleine dastehen werden – wie die Amerikaner auch.